Bestseller "Feuerherz" Zweifel an Senaits Kriegsbiographie

Am Wahrheitsgehalt der Bestseller-Biographie "Feuerherz" der aus Eritrea stammenden Sängerin Senait Mehari sind Zweifel aufgetaucht. Nach Recherchen des NDR-Magazins "Zapp" wurde Mehari nie zur Kindersoldatin ausgebildet.


Hamburg - Ehemalige Weggefährten, die mit Senait Mehari zusammen als Kinder den Bürgerkrieg in Eritrea erlebten, erklärten laut NDR-Medienmagazin "Zapp", die prominente Autorin, Musikerin und Kämpferin gegen Kindersoldaten verbreite "Lügen". Sie seien von ihr enttäuscht und fühlten sich von ihr verraten.

Damit konfrontiert gebe Senait Mehari in der Sendung (heute Abend, 23.00 Uhr) zu: "Ich war keine Kindersoldatin", berichtete der NDR vorab. Die Autorin bezeichne sich jetzt lediglich als "Kind des Krieges". Auf die Frage, warum sie als ehemalige Kindersoldatin bezeichnet wird, erklärte sie: "Die Medien schreiben, was sie schreiben wollen. Und wenn sie mich als Kindersoldatin betiteln, sage ich ok - wenn sie das brauchen, sollen sie mich so nennen."

Der NDR teilte mit, keiner der Weggefährten bestreite zwar die damaligen schlimmen Zustände, aber alle beteuerten, niemals zu Kindersoldaten ausgebildet worden zu sein. Gegen entsprechende Äußerungen von Senait Mehari wollten sie jetzt auch juristisch vorgehen. Der Droemer Knaur Verlag, der Meharis Bestseller-Biographie "Feuerherz" veröffentlicht, erklärte gegenüber "Zapp", man habe Senait Meharis Geschichte für "glaubhaft" gehalten und ihr vertraut.

Auf der Internetseite "feuerherz.com" steht ausdrücklich: "Senait wurde zur Kindersoldatin ausgebildet, denn der Bedarf an Soldaten aller Art, und seien sie noch so jung, war unerschöpflich. Es folgten drei Jahre voller Hunger, Durst, Krankheiten, Schläge und Drill."

Bestseller-Autorin Mehari: Kind des Krieges oder Kindersoldatin?
Holger Roschlaub

Bestseller-Autorin Mehari: Kind des Krieges oder Kindersoldatin?

Die heute 33-Jährige schilderte unter anderem auch in Talkshows ihre Kindheit in den Lagern von Eritrea während des Bürgerkriegs Anfang der achtziger Jahre. Im Auftrag vieler nationaler und internationaler Hilfsorganisationen - von Unicef bis Terre des Hommes - erhob sie ihre Stimme, wurde zur Galionsfigur im Kampf auch gegen die Ausbildung von Kindersoldaten. In ihrem Buch schreibt sie, dass sie eine leidvolle Kindheit erlebt habe. Ihr Vater habe sie zur Rebellenarmee gebracht, weil seine neue Familie sie nicht habe ernähren können.

"Die Glaubwürdigkeit von Senait Mehari steht außer Frage" verteidigte Jobst Henning Neermann, der Manager von Mehari, in einem morgen erscheinenden "taz"-Interview, die Autorin. Neermann sagte, es handele sich um einen "Definitionsstreit". Mehari habe nie behauptet, dass sie geschossen oder in vorderster Front gestanden hätte.

albi/AP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.