Académie-française-Mitglied Schriftsteller Maurice Druon gestorben

Während des Zweiten Weltkriegs war er Mitglied der französischen Résistance, später kämpfte er als konservativer Intellektueller gegen Anglizismen und für althergebrachte Traditionen. Nun ist der streitbare Schriftsteller Maurice Druon im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.


Paris - Er verbot einst Jaques Chirac, sich als "Gaullist" zu bezeichnen und titulierte ihn als "Wahlmonarch" im Elysée-Palast. Mit dem früheren französischen Präsidenten stritt der Schriftsteller Maurice Druon besonders gern. Außerdem wehrte sich das konservative Mitglied der Acedémie française heftig gegen Anglizismen wie "Walkman" oder gegen die Bezeichnung "Madame le Ministre" für französische Ministerinnen. Wie eine Sprecherin der altehrwürdigen Literatur-Akademie mitteilte, ist Druon nun im Alter von 90 Jahren in Paris gestorben.

Druon veröffentlichte eine Vielzahl von Büchern. Staatspräsident Nicolas Sarkozy bezeichnete Druon als "großen Schriftsteller". Er sei auch ein großer Politiker gewesen, hieß es in der Würdigung Sarkozys weiter.

Konservativer Autor Druon: Verstarb im Alter von 90 Jahren
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Konservativer Autor Druon: Verstarb im Alter von 90 Jahren

Druon wurde am 23. April 1918 als Sohn eines russischstämmigen Vaters in Paris geboren. Er galt als Sprachpurist und Hüter französischer Traditionen. 1966 wurde er als Nachfolger von Georges Duhamel in die Académie française gewählt. Im November 1985 wurde er Ständiger Sekretär dieser Institution.

Im März 1973 wurde der Konservative unter Präsident Georges Pompidou Kulturminister, schied aber ein Jahr später wieder aus. Kabinettskollegen und Künstler stellten sich gegen ihn und seine Auffassung von Kultur und Tradition. Er verurteilte die 68er Bewegung, bekannte sich zu einem nationalen politischen Kurs Frankreichs und gegen die Europa-Idee.

Druon studierte Literatur- und Politikwissenschaft. Während des Zweiten Weltkriegs war er Mitglied der Résistance in London, danach Kriegsberichterstatter und Journalist. Mit seinem Onkel, dem Starreporter Joseph Kessel, verfasste er den Text der französischen Widerstandshymne "Lied der Partisanen" (Le chant des partisans). Nachdem er als Kriegsberichterstatter an verschiedenen Schauplätzen gearbeitet hatte, widmete er sich ganz der Literatur.

Nur kurze Zeit später, im Jahr 1948, erhielt er als 30-Jähriger für seinen Roman "Die großen Familien" den begehrten Prix Goncourt. In dem Buch beschreibt er die Auflösung der französischen Elite am Vorabend des Zweiten Weltkrieges, die er für alle Katastrophen verantwortlich macht.

Druon schrieb vorwiegend historische Romane. Das mehrbändige Werk "Die unseligen Könige" reicht von Philipp dem Schönen bis zu Heinrich IV. Seine Bücher und sein Kampf für die Konservierung des Überlieferten, seine Eleganz und sein Sprachempfinden gefällt vor allem denen, die das alte Frankreich lieben.

hyc/dpa



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