Dichter und Essayist Adam Zagajewski ist tot

In Polen zählte er zur Neuen Welle; nach Kritik an den Kommunisten wanderte er aus. In New York erregte nach 9/11 eines seiner Gedichte Aufsehen. Nun ist Adam Zagajewski gestorben, er wurde 75 Jahre alt.
Adam Zagajewski (1945–2021)

Adam Zagajewski (1945–2021)

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Marijan Murat / picture alliance / dpa

Der polnische Dichter und Essayist Adam Zagajewski ist tot. Er starb am Sonntagabend im Alter von 75 Jahren in Krakau, wie die Nachrichtenagentur PAP unter Berufung auf seinen Verlag A5 berichtete. Bekannt wurde unter anderem sein Gedicht »Versuch's, die verstümmelte Welt zu besingen«, das die Zeitschrift »The New Yorker« nach den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 in seiner Sonderausgabe abdruckte . Sein Tod sei ein »großer Verlust für die polnische Literatur«, schrieb Polens Präsident Andrzej Duda bei Twitter.

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Der Lyriker wurde 1945 im heute ukrainischen Lemberg geboren. Nach einem Studium der Psychologie und Philosophie schloss er sich der Dichterformation »Nowa fala« (Neue Welle) an, die mit althergebrachten Konventionen brechen wollte.

1975 unterzeichnete Zagajewski den regimekritischen »Brief der 59«, in dem sich Dutzende Intellektuelle gegen geplante Verfassungsänderungen der kommunistischen Regierung aussprachen. Seine Sicht auf sein Heimatland beschrieb er in einem Text, der 1981 als SPIEGEL-Buch unter dem Titel »Polen – Staat im Schatten der Sowjetunion« erschien (Lesen Sie hier einen Auszug). 1982 emigrierte Zagajewski in den Westen und ließ sich in Paris nieder. Seit 2002 lebte er wieder in Polen, unterrichtete aber seit 2007 auch an der Universität in Chicago Literatur.

Zagajewski erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Heinrich-Mann-Preis, den Eichendorff-Literaturpreis und den Orden »Pour le mérite« für Wissenschaften und Künste. In seiner Laudatio  anlässlich der Verleihung des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung 2002 beschrieb ihn der damalige Feuilletonchef der »Neuen Zürcher Zeitung« so: »Adam Zagajewski ist also auch der Poet des Staunens, einer geradezu anarchischen Lust, Dinge und Begebenheiten auf sich wirken zu lassen.«

Der Lyriker, der zeitweise als Anwärter auf den Literaturnobelpreis gehandelt wurde, war seit 2015 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. In deutscher Übersetzung sind unter anderem die Gedichtbände »Asymmetrie« und »Unsichtbare Hand« sowie mehrere Essay-Sammlungen erschienen.

feb/dpa/AFP
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