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Comic "Foreskin Man": Rette deine Vorhaut!

Foto: Images courtesy of MGMbill.org/ ForeskinMan.com

Agit-Comic "Foreskin Man" Mit Plasmastiefeln in den Peniskampf

Superman kämpft gegen Lex Luthor, Batman gegen den Joker - und der Foreskin Man? Der verprügelt Juden, die Jungs ihre Vorhaut abschneiden wollen. Der abstruse Comic-Strip sorgt jetzt in den USA für eine Debatte, bei der sich alles um die Frage dreht: Ist der neue Superheld antisemitisch? 

Ein Stück Haut und ein Superheld - sie könnten eine ungewöhnliche Rolle spielen, wenn am 8. November in San Francisco ein neuer Bürgermeister gewählt wird. Der Superheld nennt sich Foreskin Man, und das Stück Haut, um das es geht, ist ganz folgerichtig die foreskin, die Vorhaut des Penis.

Foreskin Man, blond und blauäugig, kämpft in bislang drei Comics gegen die Beschneidung Neugeborener. Und weil es sich hierbei um eine in der jüdischen Religion weitverbreitete Praxis handelt, sind die Gegner des Foreskin Man unter anderem Juden. Dargestellt werden sie als vollbärtige, hakennasige Rabbiner, die, mit Uzis bewaffnet, wildfremde Babys entführen, um sie zu beschneiden. Ihr Anführer nennt sich Monster Mohel.

Der Comic kann gratis auf www.foreskinman.com  heruntergeladen werden und ist käuflich als E-Book auf diversen Plattformen erhältlich. Gedruckt wurde er nicht. Herausgegeben wurde "Foreskin Man" von Matthew Hess, der auch als Autor der Abenteuer fungiert. Hess, 42 Jahre alt und aus San Diego, gehört zu den führenden Köpfen der sogenannten Intaktivisten, einer amerikaweit aktiven Gruppe, die sich gegen die Beschneidung männlicher Babys ausspricht. Zu deren bekanntesten Vertretern gehört der Schauspieler Alan Cumming (der Nightcrawler aus "X-Men"). Auch Russel Crowe äußerte sich Anfang Juni in einem Twitter-Rant als Verfechter der intakten Vorhaut.

Die Argumente der Intaktivisten sind dabei mindestens strittig. Beschneidung mindere das sexuelle Lustempfinden und führe zu Entfremdungs- und Depressionsgefühlen aufgrund des verstümmelten Penis, sagen sie. Vor allem aber schneide man nicht einfach ohne Grund ein Körperteil ab. Das spreche gegen jede medizinische Ethik. Befürworter der Beschneidung entgegnen dem, dass die Maßnahme oft sogar zu gesteigertem Lustempfinden bei Männern führe und das Risiko einer HIV-Infektion sowie von Peniskrebs drastisch senke.

"Beschneider, habt acht!"

Hess ist vor "Foreskin Man" noch nie durch Comics in Erscheinung getreten. In Interviews erzählt er zwar freimütig, dass er beschnitten sei und versuche, seine Vorhaut auf mechanischem Weg mittels einer Vorhautklammer nachzuzüchten, verschweigt aber seinen Beruf. Seit 2003 betreibt Hess die Website www.mgmbill.org , auf der er sich dafür ausspricht, die Beschneidung männlicher jugendlicher gesetzlich zu verbieten.

Während alle Bemühungen auf bundesstaatlicher Ebene dahingehend bisher mehrmals gescheitert sind, stehen die Intaktivisten um Hess zumindest in San Francisco gerade vor dem Erreichen ihrer Ziele. 12.000 Unterschriften haben sie gesammelt, 7200 wären nur nötig gewesen, damit das Thema der männlichen Kindsbeschneidung auf den Wahlzetteln zur Bürgermeisterwahl der kalifornischen Metropole am 8. November steht. Bei entsprechendem Wahlausgang wäre jede Beschneidung an Neugeborenen im Raum San Francisco strafbar mit entweder bis zu 1000 Dollar Geldbuße oder bis zu einem Jahr Haft. Auch religiöse Gründe wären von diesem Verbot nicht ausgenommen. Das wäre eine kleine Kulturrevolution in den Staaten, wo die Beschneidung auch aus nicht-religiösen Gründen fast als Selbstverständlichkeit gilt.

"Foreskin Man" erscheint zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt - mitten in einer sowieso bereits erhitzten Debatte jüdischer und muslimischer Vertreter, Bürgerrechtler, Mediziner und Politiker in San Francisco über Sinn und Recht der Beschneidung neugeborener Jungs kurz vor den Wahlen.

Hess tut dabei alles, um mit seinem Werk die Debatte noch weiter anzuheizen. Wäre der Comic nicht so politisch aufgeladen, sein Inhalt wäre von beinahe rührender Beklopptheit: Tagsüber ist Miles Hastwick Kurator des "Museums für genitale Unversehrtheit", nach Feierabend verwandelt er sich in seiner unterirdischen Höhle in Foreskin Man. "Unterstützt durch die Kraft seiner Plasmastiefel", wie es im Comic heißt, "fliegt er über die Stadt, um Kriminelle zu jagen, die es auf die Vorhaut unschuldiger Jungs abgesehen haben. Beschneider, habt acht!"

Genital, aber nicht genial

Mehrere tausend Dollar hat Hess laut eigener Aussage die Produktion jedes der inzwischen drei E-Books gekostet. Ein Großteil dürfte auf das Honorar für den Zeichner entfallen. Der wird in keinem der Comics namentlich genannt, aber über seine Signatur lässt er sich dennoch identifizieren. Es ist der 32-jährige Brasilianer Gledson Barreto, bisher kaum durch Comics in Erscheinung getreten, sondern vor allem durch Auftragsarbeiten - mehrheitlich Zeichnungen vollbusiger Schönheiten.

Davon finden sich reichlich auch in "Foreskin Man". Es ist Bestandteil des Weltbildes, das der Comic vermittelt. Einerseits die Reichen und Schönen, die ihre Kinder vor Beschneidung zu schützen versuchen. Andererseits die schurkischen Ärzte und Brutalo-Rabbiner, denen bereits beim Gedanken an eine mögliche Beschneidung der Sabber aus dem Mund läuft, von Barreto hässlich monströs in Szene gesetzt. Als Foreskin Man in Ausgabe zwei des Comics ein Baby vor den Rabbinern rettet, gibt er es in die Obhut einiger "Untergrund-Intaktivisten". Deren Message lautet "Wir werden es als einen von uns aufziehen."

"Ich versuche nicht antisemitisch zu sein", sagt Hess im Interview, "ich versuche pro Menschenrechte zu sein." Die jüdischen Charaktere allerdings, die in seinem Comic so furios ein Kind entführen und mit gewaltigen Klingen zu beschneiden versuchen, behauptet er, seien nach Fotografien gestaltet worden, also nach realem Vorbild. "Ich habe lediglich die Uzis hinzugefügt", sagt Hess.

Nun haben diverse Organisationen lautstark Protest eingelegt. "'Foreskin Man', mit seinen grotesk antisemitischen Darstellungsweisen und Themen, setzt einen neuen Tiefpunkt", sagt Nancy Appel, lokale Vertreterin der Organisation Anti-Defamation League, in einem Interview zu den "Foreskin Man"-Comics. Sie nennt die Geschichte "respektlos und zutiefst beleidigend". Die Zeichnungen von Juden, die gewalttätig mit Klingen auf das Baby losgingen, erweckten Erinnerungen an jahrhundertealte Vorurteile über Juden, die christliche Babys töten.

Letzte Woche reichten jüdische und muslimische Interessenvertreter nicht zuletzt aufgrund der angeheizten Situation gemeinsam Klage gegen den Gesetzentwurf gegen Jungsbeschneidung in San Francisco ein. Eine entsprechende Abstimmung solle vom Wahlzettel entfernt werden.

Autor Hess lässt sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil, inzwischen hat er das Personal seiner Anti-Beschneidungs-Geschichten noch aufgestockt: In dem am Mittwoch erschienenen dritten "Foreskin Man"-Abenteuer führt er den Charakter Vulva Girl ein - eine Kampfamazone, die leicht beschürzt in Afrika gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen ins Feld zieht. Dagegen wird sich immerhin wohl kaum Widerspruch regen.