Assia Djebar Friedenspreis für die "Stimme der Gefolterten"

Für ihr "unverzichtbares" Gesamtwerk und ihren "unbändigen Drang nach Freiheit" ist die algerische Schriftstellerin Assia Djebar mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden.


Frankfurt/Main - Die 64-Jährige konnte am Sonntag bei einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche sichtlich bewegt die mit 25.000 Mark dotierte Auszeichnung entgegennehmen. Djebar erhielt den renommierten Preis für ihr Gesamtwerk, das eng mit der algerischen Geschichte und der Rolle der Frau im Islam verbunden ist. An dem traditionellen Festakt zur Frankfurter Buchmesse nahmen Bundespräsident Johannes Rau, die Bundesminister Hans Eichel, Rudolf Scharping und Michael Naumann (alle SPD) sowie rund 1000 andere Ehrengäste teil.

Assia Djebar und Johannes Rau
AP

Assia Djebar und Johannes Rau

Djebar schrieb unter anderem die Romane "Weißes Algerien" und "Die Zweifelnde" und ist die zweite Friedenspreisträgerin aus Afrika. Laut Preis-Jury hat die Schriftstellerin "mit ihrem Werk ein Zeichen der Hoffnung für die demokratische Erneuerung Algeriens, für den inneren Frieden in ihrer Heimat und für die Verständigung zwischen den Kulturen gesetzt".

Die in Frankreich und den USA lebende Djebar habe, "den vielfältigen Wurzeln ihrer Kultur verpflichtet, einen wichtigen Beitrag zu einem neuen Selbstbewusstsein der Frauen in der arabischen Welt geleistet". Nach den Worten des Vorstehers des Börsenvereins des Buchhandels, Roland Ulmer, gab Djebar "den Gefolterten und Ermordeten Algeriens ihre Stimme", auf die die Welt höre.

Assia Djebar verfolgte mit mancher Träne im Auge die Ansprachen und stellte in ihrer Dankesrede die Notwendigkeit von Unabhängigkeit und Emanzipation der Frau, vor allem im Islam, heraus. Sie äußerte die Hoffnung, dass die algerischen Frauen "durch ihre Leiden und durch ihre Rede" das Land aus der Herrschaft der Gewalt befreien und einen "Frieden der Gerechtigkeit und gegen das Vergessen" erreichen werden. Schreiben sei ein "Alarmsignal".

Die von Djebar vorgeschlagene Laudatorin, die österreichische Autorin Barbara Frischmuth, gratulierte der Preisträgerin "aufs Schwesterlichste" und nannte Djebars Gesamtwerk "unverzichtbar". Sie habe sich literarisch vor allem mit der Geschichte Algeriens, der Kolonialisierung und dem Unabhängigkeitskrieg sowie der Rolle der Frau und des Islam auseinandergesetzt. Ihre Arbeit sei von einem "unbändigen Drang nach der Freiheit des Wortes und der Freiheit des Blicks" bestimmt, sagte Frischmuth in ihrer Laudatio.



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