Ausgezeichneter Humor Max Goldt erhält Kleist-Preis 2008

"Der Globus ist unser Pony, das Universum unser richtiges Pferd." Solche Aphorismen sind die Spezialität des Autors und Musikers Max Goldt - und der Grund, warum ihm Daniel Kehlmann nun den Kleist-Preis 2008 verleihen wird.


Berlin - Bestsellerautor Daniel Kehlmann ist offenbar seit Jahren glühender Fan des Autors Max Goldt, glaubt man dem Klappentext, den er für dessen Buch "QQ" schrieb: Goldts Werk gehöre zum "feinsten Gearbeiteten, was unsere Literatur zu bieten hat", enthalte "wahre Wunder an Eleganz und Poesie" und offenbare "hinter seinen trügerischen Gedankenfluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz", schreibt Kehlmann und schließt: "Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet."

Kleist-Preisträger 2008 Max Goldt: Der Globus ist sein Pony, das Universum sein richtiges Pferd.
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Kleist-Preisträger 2008 Max Goldt: Der Globus ist sein Pony, das Universum sein richtiges Pferd.

Da Kehlmann selbst mit dem Kleist-Preis 2006 prämiert wurde, konnte er nun als Vertrauensmann der Jury seinen Worten Taten folgen lassen - und schlug Max Goldt für den Kleist-Preis 2008 vor. Verliehen wird der mit 20.000 Euro dotierte Preis an diesem Sonntag im Berliner Ensemble, die Laudatio wird Kehlmann selbst halten.

Die Jury begründete ihre Wahl damit, dass der 1958 in Göttingen geborene Goldt als Kolumnist der Zeitschrift "Titanic", Essayist und Prosakünstler den deutschen Alltag bis "zur Kenntlichkeit entstellt" habe. Max Goldts Witz, Scharfsinn und ästhetisches Urteilsvermögen sei mit dem des Sprachkritiker Karl Kraus (1874-1936) vergleichbar.

Goldt lebt seit 1977 in Berlin und hielt sich zunächst mit Stadtführungen für den Berliner Senat über Wasser. 1981 gründete er zusammen mit Gerd Pasemann das Duo "Foyer des Arts" und galt mit Songs wie "Wissenswertes über Erlangen" oder "Hubschraubereinsatz" als einer der Stars der Neuen Deutschen Welle.

Seine literarische Karriere begann 1989 mit dem Wechsel zum Satiremagazin "Titanic", für das er seither (mit Unterbrechung von 1998 bis 2003) unregelmäßig als Kolumnist tätig ist. Furore machten Goldts berühmt-berüchtigte "Humorexzesse", Lesungen und Musikvorträge, die in überfüllten Sälen über die Bühne gingen. Diesen Trubel fand der Ästhet Gold oft "ziemlich furchtbar". Heute hält er bis zu 50 Lesungen im Jahr.

Max Goldts besonderes Talent liegt im lakonischen Nacherzählen präziser Alltagsbeobachtungen und einem feinen Gespür für die Stilkämpfe der intellektuellen, in Berliner und Hamburger Altbauwohnungen hausenden Bohème der achtziger und neunziger Jahre. Oder im Erfinden von Personen wie der "Radiotrinkerin", die sich regelmäßig im Rundfunk bei eingeschalteten Mikrofonen betrinkt.

Auch die Titel seiner Sammelbände sind sprechende Beispiele für Goldts mal wild mäandernden, mal auf absurde Aphorismen verdichteten Stil: Sei es nun "Mein äußerst schwer erziehbarer schwuler Schwager aus der Schweiz" (1984), "Schließ einfach die Augen und stell dir vor, ich wäre Heinz Kluncker" (1994) oder "Der Globus ist unser Pony, der Kosmos ist unser richtiges Pferd" (2007) - so lautet der Titel des jüngsten Comics, der in Kooperation mit dem Zeichner Stephan Katz entstand. Seit 1996 erscheinen von dem Duo regelmäßig Comic-Strips mit dem Titel Katz und Goldt, die in der "Titanic", dem Magazin der "Zeit" und der "Intro" publiziert werden und in Sammelbänden erhältlich sind.

Als Gewinner des Kleist-Preises reiht sich Goldt in eine illustre Literaten-Runde ein: In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Preis unter anderem an Carl Zuckmayer, Hans Henny Jahnn, Bertolt Brecht und Robert Musil verliehen. Nach Wiederbegründung des Preises 1985 waren Preisträger unter anderen Alexander Kluge, Thomas Brasch, Heiner Müller, Martin Mosebach, Daniel Kehlmann und Wilhelm Genazino.

ely/dpa



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