Klagenfurt Birgit Birnbacher gewinnt Bachmann-Preis

Die österreichische Autorin Birgit Birnbacher hat den Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Ihr Text handelt von einer Mittdreißigerin, die an einer soziologischen Studie teilnimmt - und einem Schrank.
Birgit Birnbacher bei der Eröffnung der Klagenfurter Literaturtage

Birgit Birnbacher bei der Eröffnung der Klagenfurter Literaturtage

Foto: Gert Eggenberger/ dpa

Es war bei Außentemperaturen von bis zu 38 Grad der "heißeste Bachmannpreis" bislang, so der Mitveranstalter ORF - und gewonnen hat ihn die Österreicherin Birgit Birnbacher. Der in Salzburg lebenden Autorin wurde die Auszeichnung bei der 43. Verleihung in Klagenfurt von der Jury zugesprochen. Der Preis für die 1985 geborene Autorin ist mit 25.000 Euro dotiert.

Der Gewinnertext "Der Schrank" handelt von einer 36-jährigen Ich-Erzählerin, die an einer soziologischen Studie teilnimmt - Birnbacher hat selbst Soziologie studiert. Zentral für den Text ist ein Schrank, der unvermittelt erscheint. Ein Geschenk der Mutter, wie sich herausstellt.

Birnbacher thematisiert in ihrem Text die neue Arbeitswelt sowie prekäre Wohnverhältnisse. Die Jury lobte die Geschichte als "eine Mikrostudie der Lebensverhältnisse". Ein Individuum und dessen Reaktionen würden gezeigt. Birnbacher wisse, wovon sie schreibe. Die Zynismen in dem Text seien "super". Der Schrank sei der Anlass - worum es gehe, sei hingegen etwas Universales. Die Sprache von Birnbachers Text sei knisternd, sie rühre auf.

(Hier finden Sie den Text "Der Schrank" in voller Länge.)

"Plötzlich steht Biedermeierschränkchen im Haus, alles im Text dreht sich um eine 36-Jährige, die im Prekariat lebt", sagte der Schweizer Autor und Jurymitglied Stefan Gmünder in seiner Laudatio. Der Text erzähle ohne Winke mit dem Zaunpfahl vom Lebenskampf, so der Schweizer Autor und Jurymitglied Stefan Gmünder in seiner Laudatio.

Kontroverse um Text über "Weiße Rose"

Bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur, in deren Rahmen der Bachmann-Preis verliehen wird, tragen Autorinnen und Autoren ihre Texte selbst vor. Diese müssen bis dahin unveröffentlicht und auf Deutsch verfasst worden sein. Die Länge der Vorträge beträgt jeweils etwa 25 Minuten. Anschließend diskutiert die Jury öffentlich über den Text.

In diesem Jahr sorgten etliche Texte für Kontroversen. Die Größte löste der deutsche Autor Martin Beyer mit seinem Text "Und ich war dabei" aus, in dem er die Ermordung von Mitgliedern der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" aus der Sicht des Henkersknechts schilderte. Ein Großteil der Jury war sich schnell einig: Es sei ein Text, der so nicht geschrieben werden dürfe und in den Verdacht gerate, vom Leiden der Opfer profitieren zu wollen. Der Plauderton mache ihn so unerträglich. Auf einen Preis konnte der in Bamberg lebende Autor nach der heftigen Jury-Diskussion somit nicht mehr hoffen.

Außer dem Bachmann-Preis wurden in Klagenfurt noch weitere Auszeichnungen verliehen. Der mit 12.500 Euro dotierte Deutschlandfunkpreis geht in diesem Jahr an den Oberösterreicher Leander Fischer, der Kelag-Preis (10.000 Euro) an die Österreicherin Julia Jost, der 3sat-Preis (7500 Euro) an den Deutschen Yannic Han Biao Federer und der Publikumspreis an die Deutsche Ronya Othmann.

fdi/dpa
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