Nach heftiger Kritik Barnes & Noble zieht Diversity-Buchreihe zurück

Weil das Unternehmen etwas gegen das Diversitätsproblem der Buchbranche tun wollte, sollten Klassiker mit neuen Covern erscheinen - etwa mit einem schwarzen Frankenstein und Shakespeares Julia mit Kopftuch. Nun wird die Reihe gestoppt.

Eigentlich sollte die neue Buchreihe den "Black History Month" ehren: Um ein Zeichen für Diversität zu setzen, wollte der Buchhändler Barnes & Noble in Kooperation mit dem Penguin Random House Verlag die Reihe "Diverse Editions" herausgeben.

Zwölf Klassiker der Weltliteratur sollten mit neuen Covern erscheinen, auf denen die Protagonisten ganz unterschiedlich gezeigt werden sollten - Julia aus William Shakespeares Drama "Romeo und Julia" zum Beispiel mit einem Kopftuch, Frankensteins Monster mit schwarzer statt grüner Haut, Dorothy aus dem "Zauberer von OZ" mit der Körperbemalung indigener Völker. Nun hat der Händler die Buchreihe wieder zurückgezogen, wie zuerst "New York Times" und "Guardian" berichteten. Zuvor war die Aktion massiv kritisiert worden.

Die Hautfarben der Hauptfiguren auszutauschen, sei ein Blackfacing der Literatur, lautete der in den sozialen Medien vielfach geäußerte Vorwurf. Andere kritisierten, dass die neuen Cover bloß eine oberflächliche Korrektur eines viel größeren Problems darstellen - und dass Verleger stattdessen mehr tun sollten, um diverse Autoren zu fördern.

Ob man wisse, dass die Veränderung der Hautfarbe auf den Buchcovern die Hautfarbe der Figuren im Buch nicht magisch ändere, fragte zum Beispiel die Autorin Adriana Herrera auf Twitter. Ein anderer Nutzer bemängelte, dass es keinen Sinn ergebe, urheberfreie Texte neu aufzulegen, um mehr Geld damit zu verdienen, anstatt marginalisierte Autoren zu fördern, die seit Jahrzehnten ignoriert würden.

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In einer Erklärung  gab Barnes & Noble nun bekannt, dass man die Kritik gegenüber der Buchreihe ernst nehme. Daher habe man beschlossen, die Initiative zu stoppen. "Die Cover sind kein Ersatz für schwarze Stimmen und Schriftsteller, die es verdienen, gehört zu werden." Während des "Black History Month", der im Februar in Kanada und den USA gefeiert wird, wolle man nun die Werke nicht-weißer Autoren in den Vordergrund rücken.

Neben den genannten Titeln sollten auch "Alice im Wunderland", "Moby Dick", "Emma", "​​Der geheime Garten", "Die Schatzinsel", "Der Graf von Monte Cristo", "Peter Pan", "Die drei Musketiere" und "Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde" mit neuen Titeln erscheinen.

Das Unternehmen habe die Texte mit Hilfe von künstlicher Intelligenz aus den 100 bekanntesten Büchern der Welt ausgewählt, hieß es. So sollten Romane gefunden werden, die Herkunft und Hautfarbe der Figuren nicht spezifisch definierten. Gegenüber dem "Guardian"  betonte das Unternehmen, dass die Cover der "Diverse Editions"-Reihe von Künstlern unterschiedlicher Herkunft gestaltet worden seien.

evh