Begehrtes Geheimnis "Hokuspokus! Wir haben Harry"

Zwei Tage vor Erscheinen von "Harry Potter 5" gelangen immer mehr Exemplare in die Öffentlichkeit. Der Besitzer eines Reformhauses legte das Buch "aus Versehen" in sein Schaufenster. Eine Zeitung veröffentlichte Auszüge und wurde von Autorin Rowling umgehend auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt.

New York/Montreal - Für Joanne K. Rowling wird es immer schwerer, das Geheimnis ihres neuen Buchs "Harry Potter and the Order of the Phoenix" vor dessen offiziellen Erscheinen zu bewahren: "Hocus-pocus! We got Harry" titelte beispielsweise die amerikanische Tageszeitung "New York Daily News", die das Buch ausgerechnet im Schaufenster eines Reformhauses in Brooklyn entdeckt haben will und daraufhin einen Vorabdruck von "Potter 5" veröffentlichte. Darin ließ die Zeitung alle Potter-Fans wissen, dass der von Autorin Joanne K. Rowling angekündigte Tod einer der Hauptpersonen weder Ron noch Hermine treffen werde.

Rowling hat "Daily News" daraufhin auf 100 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt. Ihre Anwälte werfen der Zeitung Verletzung der geistigen Eigentumsrechte der Autorin und eine Schädigung der drei Millionen teuren Werbekampagne für "Harry Potter 5" vor. Bei der "Daily News" ist man sich keiner Schuld bewusst. Sprecher Ken Fryman erklärte, die Zeitung habe sich weder journalistisch noch rechtlich etwas zu Schulden kommen lassen. "Wenn Sie nicht wissen wollen, wie Harry und seine Freunde ihr fünftes Jahr in der Zauberschule Hogwarts verbrachten, lesen Sie jetzt nicht weiter und warten, bis das Buch am Samstag offiziell erscheint", warnte die "Daily News" alle Potter-Fans.

Auch der Besitzer des Reformhauses in Brooklyn, in dessen Schaufenster die "Daily News" den neuen Potter entdeckt haben will, kann die Aufregung nicht verstehen. "Mir hat niemand mitgeteilt, dass ich das Buch erst ab Samstag verkaufen darf", erklärte unbeeindruckt der 43-Jährige.

Doch nicht nur in New York ist "Harry Potter and the Order of the Phoenix" vor dem offiziellen Start verkauft worden. Ärgern dürfte sich Joanne K. Rowling auch über eine "Geheimhaltungs-Panne" im kanadischen Montreal. Wie die Zeitung "Daily Newspaper" berichtet, haben im dortigen Wal-Mart-Discounter kurzzeitig mehrere Exemplare von "Potter 5" im Regal gestanden.

"Wir untersuchen noch, wie es dazu kommen konnte", erklärte Sprecher Andrew Pelletier. Wahrscheinlich habe ein Angestellter die Bücher einfach ausgepackt und eingeräumt, obwohl es Anweisungen gäbe, dies nicht vor Samstag zu tun. Und damit solch ein peinlicher Vorfall - der es immerhin einer glücklichen Kanadierin erlaubte, mit dem neuen Potter den Laden zu verlassen - nicht noch einmal passiert, geht man bei Wal-Mart jetzt auf Nummer sicher. "Wir haben eine spezielle Alarm-Warnung programmiert, die verhindert, dass das Buch vor Samstag gescannt werden kann", berichtet Pelletier.

Unbezahlbar: "Potter 5" auf dem Schwarzmarkt

Eine solche Alarm-Vorrichtung hat im britischen Manchester anscheinend gefehlt. Die dortige Polizei ist weiter auf der Suche nach den Dieben, die vor wenigen Tagen fast 8000 der neuen Harry-Potter-Bände gestohlen haben. Die Lastwagenfracht mit der fünften Potter-Folge, um deren Geheimhaltung sich Autorin Rowling bis zuletzt bemühen will, war am vergangenen Sonntagabend aus einem Depot bei Manchester entwendet worden. Nach Angaben von Experten ist der Schwarzmarktwert der heiß begehrten Bücher "unschätzbar".

In der Nacht zum Samstag darf "Harry Potter 5" endlich offiziell verkauft werden. Mit einem Ansturm auf die Buchhandlungen ist zu rechnen. In Großbritannien werden am Freitagabend 2,5 Millionen und in den USA 8,5 Millionen Bände ausgeliefert. Die deutschsprachige Ausgabe wird noch bis zum 8. November auf sich warten lassen.

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