Begräbnis Hunter S. Thompson geht in die Luft

Eine explosive Idee: Gemäß seines letzten Willens wird die Asche des Schriftstellers Hunter S. Thompson mit einer Kanone in den Himmel geschossen. Seine Witwe Anita Thompson bestätigte heute einen Termin für das exzentrische Begräbnis. Feuer frei für einen großen Autor.


Schrifsteller Thompson: Poshumer Knaller
DPA

Schrifsteller Thompson: Poshumer Knaller

Er galt als Rockstar unter den Schriftstellern und als Schriftsteller unter den Journalisten: Hunter S. Thompson wurde in den siebziger Jahren mit rasanten Reportagen berühmt und etablierte den so genannten Gonzo-Journalismus, einen Berichterstattungsstil, der subjektiv-literarisch den Autor selbst zum Helden seiner Geschichten macht.

Die Herkunft des Gonzo-Begriffs ist umstritten - manche halten es für ein anderes Wort für "verrückt", andere übersetzen die Vokabel mit "letzter Mann, der nach einer durchzechten Nacht an der Theke stehen bleibt". Sicher ist jedoch, dass Thompson, der sich vor kurzem das Leben nahm, ein Gonzo-Denkmal erhalten und von ihm aus in die Luft geschossen werden soll.

Damit erfüllt sich der letzte Wille des großen Chronisten der amerikanischen Gegenkultur: Thompson hatte verfügt, dass seine Asche mit einer Kanone verfeuert werden soll. Das Geschütz soll hierfür in ein Monument eingebaut werden, das der Gonzo-Faust, Thompsons Logo, nachempfunden ist.

"Es wird teuer, aber es ist jeden Penny wert", erklärte Anita Thompson, die Witwe des Autors, heute der Nachrichtenagentur AP. Zwar müsse man noch einige Details klären (genaues Datum, Art der Kanone) , aber der Plan steht fest: Eine insgesamt 46,3 Meter hohe Statue in Form eines Unterarms mit geballter Faust wird mit einem Geschütz bestückt und auf dem Anwesen des Autors in Aspen installiert. "Ich fände mehrere Explosionen gut", sagte Anita Thompson der AP. "Er liebte Explosionen."

Eine Explosion riss den Schriftsteller und Journalisten auch aus dem Leben: Geplagt von gewaltigen Selbstzweifeln, hatte sich Thompson am 20. Februar 2005 im Alter von 67 Jahren mit einer 45er Magnum erschossen. Dass er sich postum zum Abschuss frei gegeben hat, ist eine so grausige wie treffende Pointe dieses von Exzentrik, Schaffenseifer und Einsamkeit bestimmten Lebens.



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