Buchmesse-Eröffnung Schröder warnt vor Kulturkampf

Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse hat sich Bundeskanzler Gerhard Schröder für einen offeneren Dialog zwischen islamischer und christlicher Welt ausgesprochen und rief zum gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus auf. Die arabische Welt ist in diesem Jahr Gastland der weltweit größten Bücherschau.


Bundeskanzler Schröder: "Mehr Vorsicht walten lassen"
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Bundeskanzler Schröder: "Mehr Vorsicht walten lassen"

Frankfurt am Main - "Wo Verständnis, Offenheit, Toleranz und auch Neugierde herrschen, da wird es nicht mehr gelingen, einen Keil zwischen die arabische und die westliche Welt zu treiben", erklärte er laut Redemanuskript am Dienstag bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse und fügte hinzu: "Wer immer das dennoch versucht, hat mit unserem entschiedenen Widerstand zu rechnen." Die arabische Welt ist in diesem Jahr Gastland der Veranstaltung, die bis Sonntag dauert.

Wegen der Terroranschläge in den vergangenen Jahren sei in der westlichen Welt die Angst vor dem Islam gewachsen, räumte Schröder ein. Es gehe dabei jedoch nicht um einen Kampf der Kulturen. "Wir sollten überhaupt mehr Vorsicht walten lassen, bevor wir Konflikte kulturell interpretieren." Stattdessen sollten die Kulturen gegen den Terror zusammenstehen. "Für alle Staaten, auch die arabischen, ist damit die Verpflichtung verbunden, Terroristen und fanatische Geiselnehmer zu ächten und zu bekämpfen."

Den Frieden in der Welt sieht der Bundeskanzler durch die Krisen im Nahen Osten und dem Irak bedroht. Er rief Israelis und Palästinenser auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Im Irak werde Deutschland weiterhin einen Beitrag zum Wiederaufbau leisten: "So bilden wir in einem Gemeinschaftsprojekt mit den Vereinigten Arabischen Emiraten irakische Polizei- und Militärkräfte aus."

Schröder appellierte an die arabischen Völker, sich energisch für Frieden in der Region einzusetzen. "Es gibt im arabischen Raum hoffnungsvolle Zeichen für eine verstärkte Zusammenarbeit. Und die Arabische Liga hat hierbei eine wichtige Aufgabe." Ein geeintes Arabien erscheine heute noch als Utopie, doch das habe vor nicht einmal 60 Jahren auch für Europa gegolten. Zum Abschluss zitierte Schröder ein arabisches Sprichwort: "Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt."

Das Gastland wurde bei der Eröffnung vom Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, repräsentiert. Der ägyptische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Nagib Machfus hatte aus gesundheitlichen Gründen auf die Reise nach Deutschland verzichtet, er ließ seine Rede verlesen.

In Frankfurt sind dieses Jahr knapp ein Prozent mehr Aussteller vertreten als im Vorjahr. Damit habe die Messe ihre Position als "weltweite Leitveranstaltung" der Buchbranche ausgebaut, sagte Messe-Direktor Volker Neumann am Dienstag. Die derzeitige Flaute im Buchgeschäft wertete der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, nicht als Ausdruck einer "Lese-Krise". Ursache sei vielmehr die allgemeine Konsumzurückhaltung.

Die Buchmesse ist von Mittwoch bis Freitag ausschließlich für Fachbesucher geöffnet. Am Samstag und Sonntag hat das allgemeine Publikum Zutritt. 6691 Aussteller aus 111 Ländern und rund 350.000 Titel werden in diesem Jahr präsentiert. Rund 1000 Autoren werden erwartet, darunter 200 aus der arabischen Region und aus dem Exil.

Vor Beginn der Messe hatte sich die Branche optimistisch gezeigt. Er erwarte in diesem Jahr erstmals seit 2000 wieder eine "schwarze Null", sagte Schormann vor Journalisten. In den vergangenen drei Jahren hatte die Branche jeweils Umsatzrückgänge verzeichnet. Im ersten Halbjahr 2004 wurde ein Plus von 0,7 Prozent erzielt.



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