Buchmesse "Goldene Chance" für die arabische Welt

Das Image der arabischen Staaten wird verstärkt mit Terrorismus und Fundamentalismus gleichgesetzt. Arabische Intellektuelle und Politiker sehen in ihrer Rolle als Gastgeber bei der diesjährigen Frankfurter Buchmesse jetzt die Chance, das aus ihrer Sicht entstellte Bild der arabischen Kultur im Westen zurechtzurücken.

Terror, Krieg, Fundamentalismus: Das Image der arabischen Staaten hat unter den Entwicklungen der jüngsten Geschichte enorm gelitten. Der ägyptische Dichter Ahmed Abdelmoti Hegasi erklärte bei einem Vorbereitungstreffen in Kairo deshalb heute der Nachrichtenagentur dpa: "Wir müssen vorbereitet sein, um auf die Fragen zu antworten, die uns die Deutschen stellen werden. Dazu gehören auch unsere Haltung zum Terrorismus und zu Geiselnahmen im Irak.". Hoda Wasfi, Professorin für französische Literatur in Kairo, widersprach: "Die arabische Messebeteiligung soll unsere Kultur präsentieren und nicht zu einer Verteidigungsaktion werden."

Der Präsident des arabischen Verlegerverbandes, Ibrahim el Moallem, der zu den Organisatoren der arabischen Präsentation in Frankfurt gehört, ist skeptisch, ob die deutsche Öffentlichkeit arabische Länder überhaupt als Gastgeber akzeptiert: "Die öffentliche Meinung in Deutschland ist gespalten: Einige denken, dass die arabische Kultur eine Kultur der Ablehnung des Anderen ist, die zum Terrorismus ermutigt, dem Diktat der Regierungen folgt und die Urheberrechte nicht respektiert", so Moallem. Allerdings verstünden viele Deutsche auch, dass all dies nur ein Teil des Gesamtbildes sei. Hier müsse die arabische Präsentation ansetzen, um die verschiedenen Strömungen innerhalb der arabischen Kultur zu zeigen.

Der Geralsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, hat den Gastauftritt in Frankfurt klar zur Chefsache erklärt. Es sei eine "goldene Chance", betonte der Poltiker heute gegenüber der dpa, 13 arabische Minister hätten ihre Teilnahme an der Messe bestätigt. Ägyptens Kulturminister Faruk Husni versprach unterdessen, der ägyptische Staat werde sich neutral verhalten, so dass alle Seiten, "Unterstützer (der Regierung) und Oppositionelle" an der Messe teilnehmen könnten. Außerdem unterstütze er auch die Teilnahme arabischer Schriftsteller, die im Ausland leben.

Ägypten stellt einen Großteil der arabischen Schriftsteller, die an den Main reisen werden. Ägypten gilt seit jeher als das Zentrum der arabischen Kultur und begreift sich selbst als Wiege der arabischen Literatur. Zudem kommt der von der Arabischen Liga und der Alesco (der arabischen Unesco) ernannte arabische Kommissar der Messe, Mohammed Goanem, aus Ägypten.

Fünf Länder werden allerdings in Frankfurt fehlen: Algerien, Marokko, der Irak, Kuweit und Lybien. Während der Irak mit dem Wiederaufbau des Landes beschäftigt ist, gaben Kuweit und Libyen finanzielle Gründe für die Absage an. Marokko und Algerien ist der Auftritt nicht unabhängig genug; einem Bericht der Wochenzeitung "Die Zeit" vom 2. September zufolge sollen die beiden Länder mit den Entscheidungen des ägyptischen Kommissars nicht einverstanden gewesen sein, da repräsentative marokkanische Vertreter wie der Philosoph Mohammed Abed Jabri und der Historiker Abdallag Laroui nicht eingeladen worden seien.

Der Auftritt der arabischen Welt in Frankfurt wird mit rund 4000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der bisher größte eines Gastes auf der Buchmesse sein. Im Rahmen der geplanten Diskussionsrunden und Veranstaltungen sollen auch die Wurzeln des islamistischen Terrors und die Missverständnisse in der gegenseitigen Wahrnehmung zwischen Orient und Okzident thematisiert werden. Außer den von der Arabischen Liga offiziell eingeladenen Schriftstellern, Kritikern und Beamten werden in Frankfurt allerdings auch zahlreiche nichtarabische Schriftsteller erwartet, deren Werke in deutscher Sprache erschienen sind.

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