Buchpreis-Nominierungen Jetzt aber ran mit Hegemann!

Ihr Roman "Axolotl Roadkill" steht im Mittelpunkt einer aufgeregten Debatte um das Echte in der Literatur. Jetzt erhält die 17-jährige Helene Hegemann beinahe schon offizielle Weihen: Sie steht auf der Nominiertenliste für den Preis der Leipziger Buchmesse.
Helene Hegemann: "Extrem begabt"

Helene Hegemann: "Extrem begabt"

Foto: DPA

Hamburg/Leipzig/Berlin - Ach, der Literaturbetrieb wäre doch langweilig, wenn es keine Plagiatsvorwürfe gäbe - und so wäre die Leipziger Buchmesse dumm, ließe sie die Chance ungenutzt, ihren mitunter betulich ostprovinzlerisch wirkenden "Preis der Leipziger Buchmesse", wie man heute sagt, aufzupimpen: Auf der Liste der fünf Nominierten des Jahres 2010 steht dementsprechend die Berlinerin Helene Hegemann, 17, mit ihrem Debütroman "Axolotl Roadkill" - zuletzt Debatten-umtoste Zentralfigur in Sachen literarische Authentizität und Plagiat.

"Diese junge Frau ist unserer Auffassung nach extrem begabt", sagte Jury-Vorsitzende Verena Auffermann am Donnerstag der dpa. Hegemanns Verlag habe der Jury bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit "alles einen ordentlichen Weg geht". Doch welcher Weg ist der Kunst fremder als der "ordentliche"? Anders als auf den eisglatten Bürgersteigen deutscher Metropolen sollte hier doch gar nicht stets fein geräumt und gestreut sein. Hoffen wir, dass die Leipziger Buchmesse den gerade erst eingeschlagenen unordentlichen Weg, den zu Hegemann, nicht allzu schnell wieder verlässt.

Außerdem nominiert sind in der Buchmessepreis-Kategorie "Belletristik" Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber.

Helene Hegemann zumindest bleibt offenbar auf einem lobenswert unordentlichen Pfad. Ausgerechnet "Vice", ein einschlägig bekanntes Berliner Blatt für Trendbewusste mit einem Hang zur zotigen Fotografie, berichtet auf seiner Internetseite, der junge Regisseur Benjamin Teske habe "frappierende Ähnlichkeiten" zwischen seinem Kurzfilm "Try a Little Tenderness" und einer in "Vice" abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt.

Allerdings hatte Hegemann die Literaturausgabe des Magazins vor der Veröffentlichung gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. "Da uns damals die Tragweite dieser Widmung nicht bewusst war (...), haben wir diese nicht abgedruckt", räumt das Magazin ein. Man habe den Regisseur jetzt nachträglich über die Zueignung informiert. Hegemann war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Dafür äußerte sich Hegemanns Verlegerin Siv Bublitz persönlich in einer Pressemitteilung zum Rechtestreit um "Axolotl Roadkill": "Der Ullstein Verlag hat nun nachträglich Abdruckgenehmigungen für bislang nicht genannte Quellen des Romans eingeholt. Ein entsprechendes Quellenverzeichnis wird der nächsten Auflage beigefügt. Die Quellen nicht schon in der ersten Auflage des Buchs zu nennen, war ein Versäumnis, den Verlag und Autorin bedauern."

Nachzutragen bleibt, der Ordnung halber: Auch die Nominierten für die Kategorien "Sachbuch" und "Übersetzung" wurden in Leipzig bekanntgegeben. Darunter unter anderem Michael Hampe mit "Das vollkommene Leben. Vier Meditationen über das Glück" und Ulrich Blumenbach, der in jahrelangen Mühen David Foster Wallace' Großwerk "Unendlicher Spaß" übersetzt hat.

Und: Der Preis der Leipziger Buchmesse wird seit 2005 vergeben. Er gilt als ostdeutsche Antwort auf den Deutschen Buchpreis, zu seinen bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Ingo Schulze und Clemens Meyer.

sha/dpa