Buchpreisbindung Verlage vor Libro-Boykott

Große deutsche und Schweizer Verlage wollen den Buchhandelsriesen Libro aus Protest gegen dessen Preisoffensive via Internet nicht mehr beliefern. Die Verlage sehen durch den österreichischen Billiganbieter die nationale Buchpreisbindung unterlaufen.


München - "Wir beliefern Preisbrecher nicht", kündigte Hans-Peter Übleis vom Verlag Droemer Weltbild in München an. Der Verleger reagierte damit auf die Billigpreise der Libro-Tochter Lion.cc, die seit Samstag im Internet deutsche Bestseller bis zu 20 Prozent unter Ladenpreis anbietet. Auch der in Zürich ansässige Diogenes Verlag hat laut Vertriebsleiter Stefan Fritsch die Lieferungen eingestellt. Die Verlage betonen, dass sie sich nicht abgesprochen hätten. Einen Lieferstopp müsse jeder für sich entscheiden, so Übleis.

Libro-Sprecher Heinz Lederer hat in Wien bereits gerichtliche Schritte gegen die Verlage und Auslieferer angekündigt, falls der Lieferstopp tatsächlich in Kraft tritt. Er wolle mit hohen Schadenersatzforderungen reagieren und die EU-Wettbewerbskommission einschalten. Wenn sich mehr als zwei Verlage beteiligen, werde das Unternehmen ein Kartellverfahren anstreben, so Lederer.

Einen Lieferstopp habe Libro bislang noch nicht bemerkt, als Einziger habe der Aufbau-Verlag eine Lieferung verweigert. Libro habe den Berliner Verlag unverzüglich verklagt und werde auf weitere Aktionen genauso reagieren. Der angekündigte Boykott trifft aus Lederers Sicht mit Libro und Amadeus zwei Unternehmen, die mit dem Internet-Anbieter Lion.cc "nichts zu tun" hätten. Lion.cc sei eine eigenständige Tochter des Konzerns, "Libro und Amadeus halten sich an die Buchpreisbindung", sagte der Unternehmenssprecher.

Die bisher grenzüberschreitende Buchpreisbindung zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz ist seit 1. Juli außer Kraft und wurde durch nationale Regelungen abgelöst.



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