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"Buddha": Düsterer Comic-Epos über den Buddhismus-Begründer

Foto: Tezuka Productions/ Carlsen Verlag

Manga-Legende Tezuka Buddha, aber blutig

Er gilt als produktivster Comic-Zeichner aller Zeiten: Mehr als 150.000 Seiten hat der Japaner Osamu Tezuka vor seinem Tod 1989 geschaffen. Jetzt erscheint sein ehrgeizigstes Projekt erstmals auf Deutsch: die düstere, gewalttätige Biografie von Siddharta Gautama, dem Begründer des Buddhismus.

Da geht der Kitsch ab: Blüten öffnen sich, Sterne rieseln vom Himmel, Dschungeltiere versammeln sich einträchtig, der Himmel geht auf für ein strahlendes Licht. Und dann, ja dann wird der Buddha geboren.

So schilderte es Osamu Tezuka jedenfalls in seiner voluminösen Biografie "Buddha". Der japanische Zeichner unternahm auf nicht weniger als 3000 Seiten den Versuch, die Lebensgeschichte von Siddharta Gautama, dem Begründer des Buddhismus, zu schildern. Eigentlich ein Wahnsinnsunterfangen. Aber mit großen Projekten kannte Tezuka sich aus.

Tezuka (1928-89) gilt in Japan als "Gott der Mangas". 150.000 bis 170.000 Comic-Seiten hat er gezeichnet, mehr als jeder andere auf diesem Planeten. Er hat nicht nur gleich nach dem Zweiten Weltkrieg die japanische Comic-Industrie gegründet, sondern knapp ein Jahrzehnt später auch die japanische Trickfilmindustrie. Beides sind heute milliardenschwere Wirtschaftszweige des Landes. Und trotzdem war Tezuka tatsächlich für jede einzelne Comic-Seite verantwortlich, die unter seinem Namen erschien.

Auch Tezukas erzählerische Bandbreite ist so groß wie von sonst keinem. Sie reicht von Kinderunterhaltung, Dostojewski-Adaptionen und Erotik-Comics bis hin zur ernsthaften Auseinandersetzung mit dem deutschen Faschismus. Unter dem Titel "Phoenix" arbeitete er in den sechziger Jahren an einer Geschichte Japans von der frühen Urzeit bis in die ferne Zukunft. Es sollte sein Opus Magnum werden, blieb aber trotz rund 6000 gezeichneter Seiten Fragment. Immerhin wurde es zur Keimzelle von "Buddha", seinem Meisterwerk, das nun erstmalig auf Deutsch erscheint.

Drastische Bilder - für Schüler gedacht

Schon "Phoenix" griff umfangreich auf buddhistische Ideen zurück, vor allem aber auf Japans komplexe Religionsgeschichte, in der der Buddhismus eine tragende Rolle spielt. Mit "Buddha" ging Tezuka zum Kern dieser Ideen zurück. Das Ergebnis ist, trotz der hochpathetischen Buddha-Geburtsequenz, alles andere als kitschig. Im Gegenteil: Es ist ein finsteres, dichtgewebtes Drama. Schon der Buddha-Geburt geht ein Prolog voraus, der mehrere hundert Seiten umfasst und das prä-buddhistische Indien als einen brutalen Kampf aller gegen alle schildert.

Entlanggehangelt am Schicksal des Bettlerjungen Chapra schildert Tezuka im Prolog ein moralisch verkommenes System, in dem Armut, Mord- und Totschlag an der Tagesordnung sind und aus dem es aufgrund des rigiden Kastensystems keinen Ausweg gibt.

Erbauungsliteratur ist das wahrlich nicht: Über zwanzig Figuren tragen die komplexe, den gesamten Subkontinent umfassende Handlung der voluminösen Erzählung, bei der Buddhas Geburt und seine spätere Suche nach Erleuchtung lediglich Kontrastpunkte zu einem düsteren Geschehen sind, das mit Wut und gelegentlich aufblitzender Ironie geschildert wird.

Tezukas Bilder ausgemergelter Menschen, bizarrer Jagd- und Folterrituale und von nicht immer freiwilligem Sex sind drastisch. Gerade wenn man bedenkt, dass sich "Buddha" ursprünglich an ein Lesepublikum von zwölf bis 16 Jahren richtete. Wie die meisten von Tezukas Comics erschien auch "Buddha" zuerst als Vorabdruck in Fortsetzungen. In diesem Fall von 1972 bis 1983 im Magazin "Kibo-no-Tomo", einem speziell auf ältere Schüler zugeschnittenen Comic-Heft mit verschiedenen Serien.

Hiesigen Pädagogen dieser Zeit hätte sich angesichts dieser Vorstellung vermutlich der Magen umgedreht. Als vor knapp zehn Jahren die erste englischsprachige Ausgabe von "Buddha" erschien, geschah das zu Recht bei Vertical, einem auf anspruchsvolle japanische Gegenwartsliteratur spezialisierten Verlag. Sie gewann den Eisner-Award, den begehrtesten Comic-Preis der USA.

Inzwischen ist Tezuka im englischen und französischen Sprachraum fest als Meistererzähler etabliert. In Deutschland fristet er dagegen ein Nischendasein. Das Mammutunterfangen, den Jahrhundert-Comic "Buddha" mehr als 30 Jahre nach seiner Vollendung endlich in deutscher Sprache zu bringen, wird daran vermutlich nicht viel ändern. Aber es ist gut, dass es versucht wird.


"Buddha", Carlsen Comics, zehn Bände, jeweils 22,90 Euro

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