Comic-Legende Captain America, ein Agent des Bösen?

War der nicht im Comic-Ruhestand? Nein! Marvel lässt Superheld Captain America in einer politischen Heftreihe zurückkehren - inklusive Anspielungen auf Donald Trump.

Wiedergeburt als Agent des Bösen: Neuer "Captain America"-Comic
Jesus Saiz/ Marvel

Wiedergeburt als Agent des Bösen: Neuer "Captain America"-Comic

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Im Kino ist die Welt noch in Ordnung. Dort, im Frühsommer-Blockbuster "Civil War", schlägt sich Marvel-Superheld Captain America noch einmal mit Konflikten herum, die im Comic-Universum längst Geschichte sind. Oder besser gesagt: Sie werden aktuell in einer passend zum Filmstart gelaunchten Heftreihe namens "Civil War II" noch einmal neu und mit anderem Personal variiert.

Steve Rogers alias Captain America spielt dabei keine große Rolle, er war nach den jüngsten Entwicklungen ohnehin schon fast im Ruhestand, ein alter, seiner Kräfte weitgehend beraubter Sicherheitsfunktionär, der seinen aus Vibranium und Adamantium geschmiedeten Schild und das heroische Tagesgeschäft an seinen langjährigen treuen Sidekick Sam "Falcon" Wilson abgetreten hatte.

Mit einer neuen Heftreihe, die am Mittwoch startete, kehrt Rogers nun jedoch verjüngt und gestärkt zurück (Wie das? Zu kompliziert, um es hier auszubreiten) - und stellt sich den innenpolitischen Bedrohungen seiner alten Erzfeinde, dem schurkischen Baron Zemo und dem Naziverbrecher Red Skull.

In der von Nick Spencer verfassten und von Jesus Saiz gezeichneten Story agitiert letzterer, ein Fiesling mit blutrotem Skelettschädel, als politischer Rattenfänger die von Armut, politischer Desillusionierung und wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit an den Rand der Gesellschaft gedrängten Amerikaner gegen Einwanderer und ethnische Minderheiten. Die Flüchtlinge, das habe er in seiner europäischen Heimat gerade erlebt, nähmen den Prekarisierten nun auch bald in den USA die Jobs weg und würden die amerikanische Kultur zersetzen.

Parallelen zu Trump und Populismus

Kommt einem bekannt vor? Die Parallelen zu der Anti-Establishment- und Anti-Toleranz-Rhetorik rechtsnationaler europäischer Populisten, vor allem aber dem US-Wahlkämpfer Donald Trump, sind unübersehbar - lange bezog der große, zum Disney-Konzern gehörende Marvel-Verlag nicht mehr so unverblümt politisch Stellung. Keine Frage, angesichts solcher Superschurken braucht es einen Superpatrioten wie Captain America umso dringender, um die wahren, libertären und zivilen Werte zu schützen.

"Captain America" im Kino: Kämpfer für das Gute?
Disney/ Marvel

"Captain America" im Kino: Kämpfer für das Gute?

Aber so einfach ist das heutzutage nicht mehr, so eindeutig wie einst sind Begriffe wie Heldentum und Patriotismus nicht mehr belegt, auch nicht in der gerne mal vereinfachenden Comic-Welt. Denn in einem bemerkenswerten Plot-Twist suggeriert Spencer in seiner neuen Story nun, dass Steve Rogers, der Supersoldat mit dem Stars-and-Stripes-Dress, der schon im Zweiten Weltkrieg gegen die Nazis kämpfte, dass dieser ur-amerikanische Held möglicherweise schon immer, seit seiner Kindheit, ein Agent des Bösen war und bis heute ist.

"Hail Hydra" sagt Rogers auf der letzten Seite der ersten Heftausgabe - und lässt die Leser einen Monat lang rätseln, ob er tatsächlich ein Schläfer der global agierenden Organisation gleichen Namens ist, die in der Comic-Historie einst im Nazireich gegründet wurde und seither mit sinistren Methoden die Weltherrschaft anstrebt.

Blick in eine dystopische Zukunft

Das, sagte der zuständige Redakteur Tom Brevoort dem Magazin "Time", bedeute nichts Geringeres, "als dass der vertrauenswürdigste Held des Marvel-Universums jetzt ein Undercover-Agent von Hydra ist, eine Tatsache, die zunächst nur ihm selbst und den Lesern bekannt ist. Das verleiht jeder Interaktion, die er mit anderen Figuren hat, eine zweite Ebene, eine neue Bedeutung."

Die gesellschaftsrelevante Ebene mitten im US-Vorwahlkampf sei durchaus intendiert, sagt Brevoort: "Wir versuchen Comics zu schreiben, die der Welt und dem Zeitgeist von 2016 gerecht werden". Das gelte ganz besonders für einen 1941 eingeführten Traditionstitel wie "Captain America", der wegen seiner manchmal erzkonservativen, hurrapatriotischen Züge über die Jahrzehnte immer wieder in der Kritik stand. Autor Nick Spencer sei ein politischer Kopf, so Brevoort, der die Präsidentschaftswahl sehr genau verfolge. Dank ihm könne die Serie politische Inhalte metaphorisch aufbereiten: "Das gibt unserer Story mehr Gewicht."

Vermutungen, es könnte sich lediglich um einen kurzlebigen Gag oder eine clevere Lesertäuschung handeln, um mehr Hefte der ersten Ausgabe zu verkaufen, entkräftete Nick Spencer im Interview mit "Entertainment Weekly": "Dies ist kein Klon, kein Betrüger, es geht nicht um Gehirnwäsche oder einen Doppelgänger", versichert der Autor, "dies ist wirklich Steve Rogers, Captain America höchstpersönlich."

Im Comic bedient sich die Organisation von Zemo und Red Skull junger Amerikaner, die sie mit unverhohlen rassistischer Propaganda zu fanatischen Selbstmordattentätern drillt. Für Spencer ein Blick in eine dystopische Zukunft: "Was wir sehen, ist eine Adaption moderner Terrortaktiken", sagte er "Entertainment Weekly".

Für ihn sei es interessant gewesen, sich vorzustellen, wenn weiße, rechtskonservative Bewegungen, die in der Realität viel Zulauf haben, junge Leute rekrutieren wie beispielsweise der IS. "Es geht darum, ein wenig nach vorne zu denken und sich vorzustellen, wie die Welt aussähe, wenn sich diese Organisationen solcher Taktiken bedienen würden."

Offen bleibt zunächst, welche Rolle die altgedienten Helden in dieser neuen Weltordnung spielen. Abseits der zivilen Ordnung standen sie mit ihrem heroischen Vigilantismus ja immer schon ein wenig.



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avada~kedavra 26.05.2016
1. Spoiler Alert!
Wer sich ein ganz klein wenig mehr informieren will als es Herr Borcholte hier versucht, bzw. ich persönlich nenne es "Geschwafel", sollte auf marvel.com o. ähnlichen Seiten seine Infos suchen. Denn ein Hinweis auf die Ausgabe 2 ist dort bereits erhältlich und klärt einiges des hier veröffentlichten mysteriösen Textes auf. Ob wirklich Donald Trump gemeint ist sei dahingestellt. Es ist immer schwierig für Europäer und insbesondere für "uns Deutsche" das "us-amerikanische" Gefühl korrekt zu interpretieren. Dazu sind die Völker in ihrer Einstellung doch einfach zu unterschiedlich.
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