Ehrung des Deutschen Buchhandels Carolin Emcke erhält Friedenspreis

Die Journalistin und Publizistin Carolin Emcke wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016 ausgezeichnet. Ihr Werk sei ein Vorbild für gesellschaftliches Handeln, heißt es in der Begründung.

Carolin Emcke
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Carolin Emcke


Die Journalistin und Publizistin Carolin Emcke erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2016. Das teilte der Börsenverein am Freitag mit. Emcke leiste mit ihrem Büchern, Artikeln und Reden einen wichtigen Beitrag zum gesellschaftlichen Dialog und zum Frieden, heißt es in der Begründung des Vereins.

Weiter heißt es dort: "Carolin Emcke setzt sich schwierigen Lebensbedingungen aus und beschreibt - vor allem in ihren Essays und ihren Berichten aus Kriegsgebieten - auf sehr persönliche und ungeschützte Weise, wie Gewalt, Hass und Sprachlosigkeit Menschen verändern können. Mit analytischer Empathie appelliert sie an das Vermögen aller Beteiligten, zu Verständigung und Austausch zurückzufinden."

Die 48-jährige Emcke wurde in Mülheim an der Ruhr geboren und studierte in London, Frankfurt am Main und an der Havard-Universität in den Vereinigten Staaten. Sie war Stipendiatin der Deutschen Studienstiftung. Später hat sie unter anderem als Redakteurin beim Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL und als Autorin für die "ZEIT" gearbeitet. Für die "Süddeutsche Zeitung" schreibt sie eine wöchentliche Kolumne. In ihren Artikeln und Essays berichtet sie oft aus Krisen- und Kriegsgebieten, etwa aus Afghanistan, Pakistan, Irak und dem Gazastreifen. Ihre journalistische Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet.

2012 veröffentlichte Emcke "Wie wir begehren", ein autobiographisches Buch, in dem sie sich mit ihrer eigenen Homosexualität auseinandersetzt. Darin beschreibt sie auch die soziale Ausgrenzung, die sie nach ihrem Coming-out erlebt hat.

Heute lebt Emcke als freie Publizistin in Berlin. In ihrer Arbeit engagiert sie sich immer wieder für künstlerische Interventionen und Projekte. Im Oktober bringt Emcke im Fischerverlag ihr neues Buch "Gegen den Hass" heraus. In dem Essay setzt sie sich mit der zunehmenden Polarisierung und Fragmentierung der Öffentlichkeit auseinander.

Der mit 25.000 Euro dotierte Friedenspreis geht dem Statut zufolge an Persönlichkeiten, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen" haben. Der Preis wird zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse am 23. Oktober in der Paulskirche in Frankfurt verliehen, wo 1848 die für die demokratische Entwicklung Deutschlands bedeutende Nationalversammlung tagte.

Der Preis wird seit 1950 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Dachverband der deutschen Buchbranche, vergeben. Er gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen des Landes. Die Preisträger werden von einem Stiftungsrat mit einfacher Mehrheit gewählt. Vorschläge dazu kann jeder einreichen. Der Rat setzt sich aus Mitgliedern des Börsenvereins sowie Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft zusammen.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören zum Beispiel der Philosoph Jürgen Habermas oder die verstorbene amerikanische Essayistin Susan Sonntag. Im vergangenen Jahr erhielt der Schriftsteller Navid Kermani die Ehrung.

gia/dpa



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