Zehn handgeschriebene Gedichte Charlotte-Brontë-Minibuch für 1,25 Millionen Dollar verkauft

Mit 13 füllte Charlotte Brontë ein Büchlein mit Gedichten. Lange war das Frühwerk der englischen Schriftstellerin verschollen. Nun haben es Gönner bei einer Messe erstanden – und bringen es in ihre Heimatstadt zurück.
Kaum größer als eine Visitenkarte: Das Minibuch von Charlotte Brontë umfasst gerade einmal 15 Seiten

Kaum größer als eine Visitenkarte: Das Minibuch von Charlotte Brontë umfasst gerade einmal 15 Seiten

Foto: Timothy A. Clary / AFP

Ein mehr als ein Jahrhundert lang verschollenes Miniaturbuch mit Gedichten der jungen Charlotte Brontë kehrt an seinen Entstehungsort zurück. Das Büchlein aus dem Jahr 1829 war am Donnerstag in New York der Öffentlichkeit präsentiert worden. Es enthält auf 15 Seiten zehn bislang unveröffentlichte Gedichte, die die englische Schriftstellerin im Alter von gerade einmal 13 Jahren schrieb.

Das handgebundene Werk, das etwa so groß wie eine Visitenkarte ist, trägt den Titel »A Book of Rhymes by Charlotte Brontë, Sold by Nobody and Printed by Herself« (»Ein Buch der Reime von Charlotte Brontë, verkauft von niemandem und gedruckt von ihr selbst«). Seit November 1916 war das Büchlein nicht mehr öffentlich gezeigt worden. Damals war es in New York für 520 Dollar versteigert worden.

Per Zufall entdeckt – in einem Umschlag

Auf der Internationalen Messe für antiquarische Bücher, die bis Sonntag in New York stattfand, war das Buch für 1,25 Millionen Dollar (1,15 Millionen Euro) verkauft worden. Zunächst hatte es Rätselraten um den Käufer gegeben. Doch wie die »New York Times« berichtet, wurde am Montag bekannt, dass eine wohltätige Gruppe namens »Friends of the National Libraries « das Büchlein erstanden habe. Die 1931 gegründete Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, historisch bedeutsame Schriftstücke in britischen Bibliotheken und Museen zu sichern.

Im Falle von Charlotte Brontës Frühwerk soll das Gedichtbuch an das Brontë Parsonage Museum in Haworth gehen. Es beherbergt eine der größten Sammlungen von Manuskripten der Brontë-Schwestern, die dort in der britischen Grafschaft Yorkshire aufgewachsen sind. Museumskuratorin Ann Dinsdale teilte mit, sie sei »absolut begeistert« über die Entwicklung.

Verkauft wurde das Buch aus dem Besitz einer Privatperson, die anonym bleiben möchte. Diese habe das Miniwerk in einem Umschlag entdeckt, der in einem Buch gesteckt habe, sagte Henry Wesselss vom New Yorker Antiquariat James Cummins Bookseller im Vorfeld der Messe.

Der kleine handgeschriebene Gedichtband ist der Literaturwissenschaft schon lange bekannt. Elizabeth Gaskell erwähnte das Werk 1857 in ihrer Brontë-Biografie. Veröffentlicht wurden die Gedichte mit Titeln wie »The Beauty of Nature« (Die Schönheit der Natur) oder »Songs of an Exile« (Lieder eines/einer Verbannten) jedoch nie.

Brontës Werk »Jane Eyre« ist hingegen weltbekannt, auch Charlottes Schwestern Emily und Anne Brontë sind feste Größen in der Weltliteratur. Wie viele Schriftstellerinnen ihrer Zeit hatten die Schwestern ihre Werke zunächst unter männlichen Pseudonymen veröffentlicht.

ime/feb/AFP
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