Französische Comic-Pionierin Claire Bretécher ist tot

Ihre Comics "Die Frustrierten" und "Agrippina" machten Claire Bretécher weit über ihre Heimat Frankreich hinaus berühmt und beeinflussten Künstler wie Ralf König. Mit 79 Jahren ist sie nun gestorben.
Claire Bretécher gehörte zu den bekanntesten Zeichnerinnen Frankreichs.

Claire Bretécher gehörte zu den bekanntesten Zeichnerinnen Frankreichs.

Foto: Patrick Mesner/ Gamma-Rapho/ Getty Images

Die französische Comic-Zeichnerin und Autorin Claire Bretécher ist tot. Bretécher sei am Dienstag im Alter von 79 Jahren gestorben, teilte der Verlag Dargaud in Paris mit. Sie galt als eine der Mitbegründerinnen der Comic-Kultur in Frankreich. Mit den Sammelbänden "Die Frustrierten" und "Aggripina" war sie auch in Deutschland erfolgreich. "Ihr Humor und ihr freier Geist waren unermesslich", erklärte ihr Verlag. "Ihren Lesern wird beides fehlen."

Bretécher wurde 1940 in Nantes geboren. Die Autodidaktin begann ihre Karriere als Zeichnerin 1963 mit einer Zusammenarbeit mit René Goscinny, dessen Geschichte "Facteur Rhésus" sie illustrierte. Von 1973 bis 1981 veröffentlichte sie die Serie "Die Frustrierten" im französischen Wochenmagazin "Nouvel Observateur". 1976 wurde sie zum ersten Mal als beste französische Autorin auf dem Festival von Angoulème ausgezeichnet, weitere Preise folgten 1982 und 1999.

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Claire Bretécher: Die Vorreiterin

Foto: Jean-Claude/ Paris Match/ Getty Images

Von 1988 bis 2009 publizierte sie ihre Serie "Aggripine". Deren pubertierende Heldin Agrippina machte Bretécher auch in Deutschland bekannt, wo ihre Bände erstmals 1988 erschienen. Mit Knollennase und ständig schlechter Laune kämpften sich Agrippina und ihre Freundin Bergère durchs Leben und durch ihre erwachende weibliche Sexualität. Mit ihrem bösen Humor und ihrer Freizügigkeit beeinflusste Bretécher auch deutsche Cartoonisten und Comiczeichner wie Franziska Becker ("Feminax und Walkürax") und Ralf König ("Der bewegte Mann").

2001 strahlte Canal+ eine animierte TV-Adaption von "Aggripine" aus. Das Pariser Kulturzentrum Centre Pompidou widmete ihr 2015 eine Retrospektive. 2016 gewann sie als erste Frau den Max- und Moritz-Hauptpreis des Comic-Salons in Erlangen bei Nürnberg. Insgesamt brachte Bretécher rund 30 Comicalben heraus. "Ich spreche darin eigentlich immer von mir selbst", erklärte sie. "Meine Figuren machen sich oft über meine eigenen Verirrungen lustig."

hpi/dpa
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