Comicpreis Sondermann Ralf König und Stephen King räumen ab

Er gilt als wichtigster deutscher Comicpreis, mehr als 36.000 Leser stimmten über den Sondermann 2009 ab - auch bei SPIEGEL ONLINE. Die Gewinner: Knollennasen-Veteran Ralf König, das Team hinter der "Der Dunkle Turm" von Horrormeister Stephen King - und ein Guerilla-Humorist.
"Der Dunkle Turm": Ausgezeichneter Horrorwestern nach King-Vorlage

"Der Dunkle Turm": Ausgezeichneter Horrorwestern nach King-Vorlage

Foto: Splitter Verlag / Stephen King/ Random House / Jae Lee

Hamburg/ Frankfurt am Main - Knollennasen ohne Ende: Der Zeichner Ralf König hält sich in der Gunst der Comic-Leser weiterhin ganz oben. "Prototyp", Königs witzige Version der Schöpfungsgeschichte (erschienen bei Rowohlt), wurde von einer Publikumsjury zum besten nationalen Comic gewählt - ganze 47,3 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn. König erhielt dafür am Samstag auf der Frankfurter Buchmesse einen von sieben "Sondermann"-Preisen. Die Sieger in zwei Kategorien bestimmte eine Jury, über fünf weitere stimmten in diesem Jahr 36.000 Comicleser ab. Die Sondermann-Preise sind nicht dotiert.

Die Ehrungen werden jährlich auf der Frankfurter Buchmesse an den erfolgreichsten Comic des Jahres vergeben - präsentiert von Comicforum, SPIEGEL ONLINE und "Frankfurter Rundschau". Nominiert werden die meistverkauften Titel. Der "Sondermann", 2004 als Hommage an den Satiriker und Cartoonisten Bernd Pfarr gegründet, ist Deutschland wichtigste Auszeichnung für Comics.

Als besten Nachwuchszeichner ehrte die Jury Michael Meier, der im Harz aufgewachsen ist und in Kassel studiert hat. Sein Comic basiert auf dem Roman "Menschenfabrik" von Oskar Panizza, erschienen ist sein Werk bei rotopolpress. "Meier gelingt das Kunststück, Panizzas Alptraum komisch zu machen, ohne der Geschichte den ihr innewohnenden Schrecken zu rauben", befanden die Juroren. Der Bernd-Pfarr-Sonderpreis der Jury ging an den Belgier Luc Zeebroek alias Kamagurka, der unter anderem im Satire-Magazin "Titanic" veröffentlicht. "Kamagurka ist ein Guerillacartoonist, er dringt in Humorgebiete vor, die nie zuvor ein Mensch betreten hat".

Der Publikumspreis für den besten internationalen Comic ging an die Comic-Version des Stephen-King-Romans "Der Dunkle Turm" (Heyne), eine Erweiterung der Originalgeschichte an der mehrere Zeichner mitgearbeitet haben. Rund 45 Prozent der Leser votierten für den blutigen Horrorwestern.

Bester internationaler Manga wurde "One Piece" (Carlsen), ein umfangreiches Seeräuber-Epos mit viel Witz. Als bester nationaler Manga wurde "stupid story 2" gewählt. Die Geschichte von Anna Hollmann (erschienen bei Tokyopop) lässt sich dem "Shonen Ai"-Genre zurechnen, in dem sich gerne mal Jungs in andere Jungs verknallen, sich also Homo-, Bi- und Heterosexualität verwirren. Zielgruppe: Mädchen von 14 bis 18, die in den glatt gestylten Geschichten ihre ebenso attraktiven wie sexuell ungefährlichen Traumtypen anschmachten können.

Als bester Cartoon wurde "Nichtlustig 4" von Joscha Sauer ausgezeichnet (Carlsen). Der Meister des Absurden lässt suizidale Lemminge sterben oder erzählt den Alltag des Todes und seines rosa Pudels. Sauer gewann mit einem Ergebnis, das an SED-Parteitage erinnert: Fast 88 Prozent stimmten für ihn.

tdo
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