Comicserie "Bone" Grüße nach Boneville

Vor zwanzig Jahren hat der Zeichner und Autor Jeff Smith mit "Bone" einen Comic-Epos erschaffen, von dem man nicht weiß, für wen er die aufregendere Reise bedeutet - für seine Figuren oder Leser. Wir gratulieren zum Jubiläum.

Jeff Smith

Von Jörg Böckem


Das erste Mal. Nichts hinterlässt so tiefe Spuren. Im Gedächtnis, da ganz sicher. Aber nicht nur dort, es prägt uns als Menschen, unseren Blick auf die Welt und den Umgang damit. Das gilt nicht nur für den ersten Kuss, die erste Liebe, den ersten Schmerz. Vor allem Begegnungen können diese Kraft entfalten. Begegnungen mit Menschen, aber auch mit Filmen, Liedern, Büchern mit all ihren Ideen, Vorstellungen und Stimmungen.

"Bone" war nicht mein erster Comic. Die Tür zum magischen Universum der Comics hatten mir Donald Duck, Spider-Man (der damals noch "Die Spinne" hieß) und Batman längst aufgestoßen. Trotzdem war im ersten "Bone"-Heft, das ich las, dieser Zauber des ersten Mals wieder spürbar. Eine außergewöhnliche Begegnung, eine Reise in ein magisches Land, das Teil meiner inneren Landkarte werden sollte, ähnlich wie Entenhausen oder Gotham City anderthalb Jahrzehnte zuvor.

Der Amerikaner Jeff Smith erzählt die Geschichte der Bones, dreier Cousins, die aus ihrer Heimat Boneville vertrieben werden, in einem fremden Tal stranden, bevölkert mit sprechenden Tieren, versteinerten Göttern, Monstern, feuerspeienden Drachen und Prinzessinnen und in einen uralten Krieg zwischen den Mächten des Lichts und der Finsternis geraten. Smith hat diese Figuren in groben Zügen schon als Kind ersonnen und ihnen Jahrzehnte seines Lebens gewidmet. Die Geschichte der Bones hat er auf 1330 Buchseiten in seinem zehnbändigen Comic-Epos erzählt, der im Oktober als Gesamtausgabe erscheint. Sein Lebenswerk erinnert an die Arbeiten von J. R. R. Tolkien, Charles M. Schultz und Carl Barks. Smith bezaubert mit Charme und Witz, Tiefe und Esprit, überraschenden Wendungen und vielschichtigen Charakteren.

Der erste Kuss, der erste Schmerz

Vor allem aber erzählt Smith vom Zauber des ersten Mals. Davon, wie es sich anfühlt, sein Zuhause zu verlassen und ins Unbekannte aufzubrechen, vom ersten Kuss, der ersten Liebe und dem ersten tiefen Schmerz; vom Erwachsenwerden also.

Jeff Smith war mein erster. Damals, Anfang der neunziger Jahre, als ich Mitte Zwanzig war und Volontär bei "Tempo". Für ein Interview mit dem Zeichner und Autor flog ich in die USA, meine erste Dienstreise ins außereuropäische Ausland, meine erste Reise in das für mich fremde Land USA. Ich war ein junger, unerfahrener, unsicherer Journalist (und außerdem der erste nicht-amerikanische Journalist, dem Smith ein Interview gab). Jeff Smith und seine Frau Vijaya haben mich freundlich aufgenommen, mich in ihrem Haus in Columbus, Ohio, bewirtet und mir die absonderlichen Bräuche ihrer Heimat, von Cow-Tipping bis zur Pumpkin Pizza, näher gebracht. Bis heute ist die Erinnerung an diese zwei Tage deutlich in meinem Gedächtnis eingegraben, die Begegnung mit den Smiths hat meine Begeisterung für meinen Beruf vertieft, es hätte auch anders ausgehen können.

"Ich wollte, dass der Leser die Bäume riechen kann und das Laub unter Fone Bones Füßen knistern hört", hat Smith damals gesagt. Das ist ihm gelungen, "Bone" verzaubert auch noch beim dritten Lesen. Zum 20-jährigen Jubiläum der Serie sind kürzlich die beiden Sonderbände "Rose" und "Legenden" erschienen. Herzlichen Glückwunsch, Jeff Smith. Und danke - für eine wunderbare Comicserie und eine prägende Begegnung.

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