Wegen Coronavirus Leipziger Buchmesse abgesagt

Die Leipziger Buchmesse wird wegen einer möglichen Gefährdung durch das Coronavirus abgesagt. Das haben der Oberbürgermeister, das Gesundheitsamt und die Organisatoren entschieden.
Leipziger Buchmesse (Symbolbild)

Leipziger Buchmesse (Symbolbild)

Foto: Hendrik Schmidt/ picture alliance/dpa

Wegen des Coronavirus findet die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr nicht statt. "Die Stadt Leipzig und die Leipziger Messe haben gemeinsam entschieden, die Buchmesse abzusagen", sagte ein Stadtsprecher am Dienstag. Es handle sich um eine "Präventionsmaßnahme", damit sich das Virus in Deutschland nicht weiter ausbreiten könne.

Die Messe hätte vom 12. bis 15. März stattfinden sollen und zählt neben der Frankfurter Buchmesse zu den wichtigsten Ereignissen der deutschen Buchbranche. Im Vorjahr waren rund 286.000 Besucher gekommen. 2547 Aussteller aus 46 Ländern hatten ihre Bücher präsentiert.

Gegenüber dem SPIEGEL bestätigte Andreas Knaut, Unternehmenssprecher der Leipziger Buchmesse, dass nicht nur das Hauptprogramm, sondern auch die Veranstaltungsreihe "Leipzig liest" sowie die Manga-Comic-Con abgesagt wurden.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: "Gesundheit und Sicherheit gehen in diesem Fall ganz klar vor." Ziel sei es, die sächsische Bevölkerung zu schützen und eine Ausbreitung des Coronavirus so weit wie möglich einzudämmen und zu bekämpfen. "Dafür gilt es, konsequent, präventiv und verantwortungsbewusst zu handeln", schrieb Kretschmer. Die Leipziger Buchmesse sei Treffpunkt für Hunderttausende Menschen aus der ganzen Welt.

Das Leipziger Gesundheitsamt sei den Vorgaben der zuständigen Bundesministerien gefolgt, teilte die Stadtverwaltung mit. Danach müsse eine Rückverfolgbarkeit von Kontaktpersonen bei Großveranstaltungen gewährleistet sein. Das sicherzustellen sei nicht möglich gewesen.

"Ein schwerer Schlag"

Bei den Verlagen löste die Absage eine Mischung aus Verständnis und Ernüchterung aus. "Das ist schon ein schwerer Schlag für uns. So etwas haben wir noch nie erlebt", sagt Sebastian Wolter, Geschäftsführer des kleinen sächsischen Verlages Voland&Quist der Nachrichtenagentur dpa. Er schätzt, dass er auf einer vierstelligen Summe sitzen bleibe, die er bereits für Hotelreservierungen und Fahrtkosten für Autoren ausgegeben habe. Hinzu kämen fehlende Einnahmen aus Buchverkäufen auf der Messe und zahlreiche Kontakte, die nun nicht geknüpft werden können. Die Standgebühr hofft Wolter von der Messe zurückerstattet zu bekommen.

Vor allem für unabhängige und kleine Verlage gilt Leipzig mit seinem großen Lesefestival "Leipzig liest" als wichtiges Treffen, um Autoren beim Publikum bekannt zu machen. "Wir bedauern die Absage sehr, haben aber vollstes Verständnis dafür", sagte Karsten Dehler, Sprecher der Kurt-Wolff-Stiftung, die sich um die Förderung der kleineren Verlage bemüht, der dpa. "Die Absage der Buchmesse bedeutet für die Verlage einen Einbruch der Sichtbarkeit. Gleichwohl ist die Entscheidung für die Absage der Leipziger Buchmesse richtig, da wir uns vor der Verbreitung des Virus schützen müssen."

Alle offenen Fragen konnte die Messeleitung am Dienstag noch nicht beantworten, die Situation sei auch juristisches Neuland: "Solch eine schwere Entscheidung mussten wir in den letzten sieben Jahrzehnten der Leipziger Buchmesse noch nie treffen", erklärte Buchmesse-Direktor Oliver Zille.

Unklar ist, ob und in welchem Rahmen der Preis der Leipziger Buchmesse in diesem Jahr verliehen wird. Die Auszeichnung, einer der wichtigsten Literaturpreise in Deutschland, wird normalerweise am Eröffnungstag vergeben. Er wird jährlich in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung ausgelobt und ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert.

Bundesweit waren in den vergangenen Tagen wegen der steigenden Zahl der Infektionen in Deutschland mehrere große Messen abgesagt oder verschoben worden. Dazu gehören die Tourismusbörse ITB in Berlin, die ProWein in Düsseldorf oder die Kölner Eisenwarenmesse.

xvc/dpa/afp
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