Streit über russische Juryvorsitzende Dänische Königin nicht mehr Schirmherrin des Hans-Christian-Andersen-Preises

Beim Hans-Christian-Andersen-Preis schwelt ein Konflikt um die russische Jurychefin. Mehrere Länder wollen Anastassija Archipowa wegen des Kriegs in der Ukraine nicht akzeptieren. Königin Margrethe II. zog jetzt Konsequenzen.
Dänische Königin Margrethe II: Nicht »Teil dieses Konflikts« sein

Dänische Königin Margrethe II: Nicht »Teil dieses Konflikts« sein

Foto: VALENTINE CHAPUIS / AFP

Die dänische Königin Margrethe II. zieht ihre Schirmherrschaft für den Hans-Christian-Andersen-Preis für Kinder- und Jugendliteratur zurück. Das bestätigte eine Sprecherin des Königshauses der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch auf Anfrage. Grund ist ein Streit um die im September gewählte Juryvorsitzende des internationalen Preises, die Russin Anastassija Archipowa.

In mehreren Ländern – etwa in der Ukraine, Schweden und Finnland – hatten nationale Abteilungen der Organisation IBBY , die den Preis vergibt, angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine einen Rücktritt der Illustratorin gefordert. »Es ist schwierig, ohne die Akzeptanz der russischen Regierung international aktiv zu sein. Deshalb wird sie, unabhängig davon, was sie über den Krieg denkt, zu einem Symbol«, sagte die Vorsitzende der schwedischen IBBY-Abteilung, Margaretha Ullström dem dänischen Rundfunk. Königin Margrethe II. könne nicht »Teil dieses Konflikts« sein, erklärte die Sprecherin des Königshauses der Deutschen Presse-Agentur.

Im Vorstand der dänischen IBBY-Abteilung gab es keine Mehrheit für die Rücktrittsforderung, man will aber dieses Mal nicht Teil des Preises sein und nominiert keine Kandidatinnen oder Kandidaten. Der Arbeitskreis Jugendliteratur, der die deutsche Sektion der IBBY bildet, war in der Neujahrswoche nicht erreichbar.

Der alle zwei Jahre vergebene Preis gilt als eine der wichtigsten internationalen Auszeichnungen in der Kinder- und Jugendliteratur. Er ist nach dem dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen (1805-1875) benannt und wird vom International Board on Books for Young People (IBBY) vergeben.

»Agitfront«-Wettbewerb

Wie der dänische Rundfunk berichtet, hatte der internationale Vorstand auf die Kritik an der Juryvorsitzenden geantwortet, die Mitglieder verträten nicht die Regierungen ihrer Länder, sondern sich selbst als Autoren, Zeichner oder Verleger. Anastassija Archipowa ist als Illustratorin seit Jahrzehnten international anerkannt; auch in Deutschland bekannt sind ihre Illustrationen zu Märchen Andersens oder der Brüder Grimm.

Der ehemalige Direktor der Heinrich-Böll-Stiftung in Kiew, Sergej Sulemny, wirft Archipowa allerdings vor, sie sei Mitglied des Vorstands einer Moskauer Künstlervereinigung namens MOCX , die aktiv Propaganda für Russlands Krieg in der Ukraine betreibe. So veranstaltete die Gruppe einen Wettbewerb namens »Agitfront«, in dem Entwürfe eingereicht werden sollten, die für Patriotismus und visuelle Agitation im Namen Russlands stehen sollten. Die besten Entwürfe würden in einer »Victory Picture 2023«-Ausstellung gezeigt werden.

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Anastassija Archipowa räumte auf Anfrage des Dänischen Rundfunks  ein, ihr sei vor vier Jahren ein Sitz im Vorstand der Vereinigung angeboten worden. Sie sei aber dort nicht aktiv und habe von diesem Wettbewerb nicht gewusst. Zu den Rücktrittsforderungen schrieb sie in einer Mail an den Sender, Mobbing aufgrund der Nationalität zu fordern sei genau das, was diejenigen wollen, die Kriege anzetteln. Sie »hoffe von ganzem Herzen, dass diese schreckliche Situation bald endet«.

Zuletzt war der Hans-Christian-Andersen-Preis an die US-Autorin Jacqueline Woodson und die Schweizer Illustratorin Albertine Zullo gegangen. Frühere Preisträger sind unter anderem Astrid Lindgren, Erich Kästner und Christine Nöstlinger. Der Preis ist nicht dotiert, die Gewinner bekommen eine Goldmedaille.

feb/dpa
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