US-Schriftsteller Denis Johnson ist tot

Der preisgekrönte Schriftsteller, Dichter und Dramatiker wurde mit der Kurzgeschichtensammlung "Jesus' Son" berühmt. Zuletzt erschien sein Roadmovie-Roman "Die lachenden Ungeheuer".

US-Autor Denis Johnson
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US-Autor Denis Johnson


"Wenn der Tod so schön wäre, wie in Denis Johnsons Buch 'Schon tot', könnte man es gar nicht abwarten" schrieb die Berliner Zeitung im Jahr 2000 zum Erscheinen von Johnsons Buch. Nun ist Denis Johnson am Donnerstag im Alter von 67 Jahren verstorben, wie Jonathan Galassi, Präsident und Herausgeber von Johnsons Verlag Farrar, Straus & Giroux nun mitteilte.

"Denis war einer der größten Autoren seiner Generation" sagte Galassi in einem Statement am Freitag. "Er schrieb Prosa mit der phantasievollen Kraft und Empathie des Dichters, der er war."

Denis Johnson, der 1949 als Sohn eines amerikanischen Offiziers in München geboren wurde und den größten Teil seiner Kindheit in Tokio und auf den Philippinen verbracht hatte, lebte in Idaho/USA. Er belegte einen Writers Workshop an der Universität von Iowa und studierte unter Raymond Carver, dessen rohe Darstellungen von Sucht und Entzug sich in Johnsons Arbeiten wiederfinden sollten. Mit 19 Jahren veröffentlichte Johnson seinen ersten Gedichtband "The Man among the Seals" und erntete großes Lob für seinen ersten Roman "Angels" im Jahr 1983.

Der literarischer Durchbruch mit "Jesus' Son"

Ein Jahr darauf gestand er der "New York Times", dass seine Diktion und Rhythmen der Poesie "von - in chronologischer Reihenfolge! - Dr. Seuss, Dylan Thomas, Walt Whitman, den Gitarrensoli von Eric Clapton und Jimi Hendrix und T. S. Eliot beeinflusst wurden."

1992 folgte sein literarischer Durchbruch mit der Kurzgeschichtensammlung "Jesus' Son". Die Collection diente dem gleichnamigen Film mit Billy Crudup im Jahr 1999 als Vorlage. Johnson selbst hatte darin einen Cameo-Auftritt. Den Titel zum Buch hatte er dem Song "Heroin" von Velvet Underground entlehnt - einige Geschichten daraus wurden von Kritikern mit William Burroughs "Naked Lunch" verglichen. Viel von "Jesus' Son" handelt von Verbrechen, Gewalt und Drogenmissbrauch - Dämonen, mit denen auch Johnson selbst zeitweise zu tun bekam.

Im Jahr 2007 erhielt Denis Johnson dann den "National Book Award for Fiction" mit seinem Werk "Tree of Smoke" (in Deutschland unter dem Titel "Ein gerader Rauch" erschienen). Auf 900 Seiten widmete sich Johnson dem Vietnam-Krieg.

Sein letzter Roman "The Laughing Monsters" (auf Deutsch: "Die lachenden Ungeheuer") war ein sinistrer Abenteuer- und Spionageroman in der Tradition von Joseph Conrad und Graham Greene.

Schriftstellerkollege Jonathan Franzen schrieb über Denis Johnson, dass der Gott, an den er glauben möchte, eine Stimme und einen Humor wie Denis Johnson haben solle.

Denis Johnson hinterlässt seine dritte Ehefrau und drei Kinder.

bsc/ap

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