»Der Gesang der Flusskrebse« War die Starautorin Delia Owens an der Ermordung eines Wilderers beteiligt?

Mit ihrem Mann engagierte sich Delia Owens einst in Sambia für den Tierschutz. Nun legt eine aufwendige Medienrecherche den Verdacht nahe, dass die Eheleute dabei den Tod von Wilderern in Kauf nahmen.
Zoologin und Bestsellerautorin Delia Owens: Wie weit ging ihr Tierschutz-Engagement?

Zoologin und Bestsellerautorin Delia Owens: Wie weit ging ihr Tierschutz-Engagement?

Foto: Alberto E. Rodriguez / FilmMagic / Getty Images

Ausgiebige Naturbeobachtungen, eine junge Frau allein in der Wildnis und ein ungeklärter Todesfall: Davon handelt Delia Owens Bestseller »Der Gesang der Flusskrebse«, der sich millionenfach verkauft hat . Am 18. August soll die Verfilmung des Romans über eine weibliche Selbstermächtigung anlaufen, produziert von Hollywood-Star Reese Witherspoon, die sich schon früh als Fan des Romans geoutet hatte.

Kurz vor Kinostart veröffentlicht das US-Magazin »The Atlantic«  nun eine große Recherche, die zeigt, dass Autorin Owens, inzwischen 73 Jahre alt, einst selbst in einen Todesfall verwickelt war, der bis heute nicht aufgeklärt werden konnte. Die Tat ereignete sich 1996, als Owens mit ihrem Mann, dem Biologen Mark Owens und dessen Sohn aus erster Ehe, Christopher, nahe des North Luangwa National Parks in Sambia lebte.

»Und das war erst eine Aufwärmübung«

Delia Owens ist im ersten Beruf Zoologin; gemeinsam mit ihrem Mann und dessen Sohn engagierte sie sich in dem afrikanischen Land als Aktivistin für Tierschutz. Ihr vorrangiges Ziel war es, Elefanten vor Wilderern zu schützen. Insgesamt 20 Jahre verbrachten die Owens in Afrika. Und möglicherweise schreckten sie bei ihrem Tierschutz-Engagement nicht vor Gewalt gegen Menschen zurück.

Delia Owens mit Ehemann Mark 1990 in Sambia: »Er wollte niemals jemanden verletzen«

Delia Owens mit Ehemann Mark 1990 in Sambia: »Er wollte niemals jemanden verletzen«

Foto:

William Campbell / Corbis / Getty Images

In einer minutiösen Aufarbeitung der Ereignisse listet der »The Atlantic«-Autor Jeffrey Goldberg verschiedene Belege auf, denen zufolge sich die Owens zur Waffengewalt gegen Wilderer bekannten – und offenbar auch deren Tod in Kauf nahmen. Goldberg zitiert aus einem Fax, das Mark Owens zur Warnung an einen Jäger geschickt hatte, obwohl dieser eine offizielle Genehmigung zur Jagd besaß. In der Nachricht offenbarte sich Owens offenbar als Urheber einer Aktion von militanten Naturschützern, bei dem zwei Wilderer getötet worden waren. Er beendete die Nachricht demnach mit der Warnung: »Und das war erst eine Aufwärmübung.«

Das könnte zu einer Neubewertung des Engagements des Ehepaars führen. Bislang dominierte die Heldenerzählung von, wie es Goldberg in seinem Artikel formuliert, »zwei telegenen Amerikanern auf einer Mission, um Elefanten vor Wilderern und korrupten afrikanischen Beamten zu schützen«.

Erschossen vor laufender Kamera

Gerade diese von Goldberg beschworene Telegenität könnte den Owens zum Verhängnis werden. Denn 1996 waren die Eheleute die strahlenden Protagonisten einer Dokumentation des US-Senders ABC, in dem ihr Kampf für die Elefanten gefeiert wurde. Doch in »Deadly Game: The Mark and Delia Owens Story« ist nicht nur der Einsatz der Owens für die gefährdeten Dickhäuter dokumentiert, sondern auch eine Szene, in der ein Wilderer vor laufender Kamera erschossen wird.

Die Identität des Opfers wurde im Film nicht benannt, es wird darin auch nicht geklärt, wer der Täter oder die Täterin hätte sein können. Allerdings behauptete der Kameramann der ABC-Produktion später, Delia Owens Stiefsohn Christopher habe den Schuss abgegeben.

Dass der Mord vor der Kamera bislang nicht offiziell aufgearbeitet wurde, erklärt ein ehemaliger sambischer Ermittler dem Journalisten Goldberg so: »Der Urwald ist ein perfekter Ort, um einen Mord zu begehen. Die Tiere fressen die Beweise auf.«

Nun soll der Fall doch wieder aufgerollt werden. Bei Mord gibt es in Sambia keine Verjährung. Für den zuständigen Staatsanwalt geht es dabei offenbar um größere politische Zusammenhänge: »Ich komme nicht mal mit einer Kamera in die US-Botschaft rein«, so der Jurist, »aber Mark und Delia schmuggelten Gewehre nach Sambia, um die Strafverfolgung von Wilderern in eigene Hände zu nehmen.« Er wolle wissen, wie es dazu kommen konnte.

Die Eheleute Delia und Mark Owens, die inzwischen im US-Bundesstaat Idaho leben, streiten jede Mitschuld an dem Todesfall ab und entziehen sich den Vorladungen der Strafverfolger in Sambia. Im Gespräch mit »The Atlantic« dementiert Delia Owens, dass sie oder ihr Mann jemals in Aktivitäten verstrickt gewesen seien, bei denen Menschenleben gefährdet worden seien. »Das einzige, was Mark jemals gemacht hat, war Feuerwerksböller aus dem Flugzeug zu schmeißen, um Wilderer zu erschrecken. Er wollte niemals einen Menschen verletzen.«

cbu
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.