Literatur-Festival Nora Gomringer gewinnt Bachmann-Preis

Der Ingeborg-Bachmann-Preis geht dieses Jahr an Nora Gomringer. Die Deutschschweizerin erhält damit die wichtigste Auszeichnung der "Tage der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt.

Nora Gomringer: Die Deutschschweizerin gewinnt Ingeborg-Bachmann-Preis 2015
DPA

Nora Gomringer: Die Deutschschweizerin gewinnt Ingeborg-Bachmann-Preis 2015


Der diesjährige Ingeborg-Bachmann-Preis geht an die 35-jährige Nora Gomringer. Die Jury im österreichischen Klagenfurt zeichnete die in Neunkirchen an der Saar geborene Autorin für einen Text "Recherche" über einen tragischen Vorfall aus.

Der Text handelt von der Recherche einer Autorin namens Nora Bossong, die in einem Hochhaus Bewohner zum Tod eines 13-Jährigen befragt, der von einem Balkon im fünften Stock gestürzt ist.

Die Jury lobte die vielstimmige "Verstörungskomödie" als Werk voller Anspielungen mit ständigem Perspektivwechsel. Die Stimme Gomringers, die in Bamberg lebt und dort das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia leitet, sei "stark, klug und präsent".

Der Preis ist nach der österreichischen Autorin Ingeborg Bachmann (1926-1973) benannt und mit 25.000 Euro dotiert. An den 39. Tagen der deutschsprachigen Literatur hatten insgesamt 14 Autoren teilgenommen. Im Vorjahr gewann Tex Rubinowitz den Bachmann-Preis.

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smh/dpa/AFP

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
joes.world 05.07.2015
1. Meine Favoritin war Ronja von Roenne.
Alleine die Existenz ihres "Sudelheftes" (bitte googeln), hätte Beweis genug sein müssen. Um ihr einen Preis auszuhändigen. Zur Not den Preis für das beste Tagebuch im deutschsprachigem Raum. Wenn sie in ihrem Sudelheft elektronisch blättern - bitte beobachten sie sich dabei. Ob Emotionen in ihnen aufsteigen. Sind diese stark und heftig der Autorin gegenüber - dann fühlen sie sich am Ende ertappt. Durch Ronjas Texte, unangenehm an sich selber erinnert. Das wäre ein Glücksfall. Ist ihre Reaktion aber dezent und ablehnend - so wissen sie nun, dass sie nur ein ein-Welt-Wandler sind. Das wäre ein wenig traurig. Um so mehr danke ich Ronja für ihre Zerrissenheit. Nur wenn man in zwei Welten lebt, an- und abgestoßen wird, wie die Flut und Ebbe im Meer, von immer wieder der anderen - nur dann kann man den Alltag so reich, so multidimensional beschreiben. Und wenn Hermann Hesse seine Zerrissenheit in den "Steppenwolf" packte - so zieht Ronja nun nach. Im Leben unserer Zeit. In Form eines Tagebuchs. Voller Melodie. Und einer Kraft, derer sie sich selber noch gar nicht bewusst ist.
gamehill 05.07.2015
2. Schande für Verlage
Schade fand ich, dass Frau Baar & Frau Schwitter leer ausgingen. Auch den Schweizer Halter fand ich nicht schlecht. Mein Favorit für den Sommer 2015 war allerdings nicht im Wettbewerb. http://www.amazon.de/SCHWANZRASUR-oder-Brainstorming-eines-Rasenden-ebook/dp/B00PYJGS5I Ich finde es eine Schande, dass die Verlage nicht einmal die läppische Summe von € 7.000.- mehr aufbringen. Heuer wurde nämlich der Ernst-Willner-Preis gestrichen. Das sagt wohl alles aus. Wir sprechen pro Verlag von ein paar hundert Euro, die sich Konzerne wie Holzbrinck nicht mehr leisten wollen.
annathöle 05.07.2015
3.
Zitat von joes.worldAlleine die Existenz ihres "Sudelheftes" (bitte googeln), hätte Beweis genug sein müssen. Um ihr einen Preis auszuhändigen. Zur Not den Preis für das beste Tagebuch im deutschsprachigem Raum. Wenn sie in ihrem Sudelheft elektronisch blättern - bitte beobachten sie sich dabei. Ob Emotionen in ihnen aufsteigen. Sind diese stark und heftig der Autorin gegenüber - dann fühlen sie sich am Ende ertappt. Durch Ronjas Texte, unangenehm an sich selber erinnert. Das wäre ein Glücksfall. Ist ihre Reaktion aber dezent und ablehnend - so wissen sie nun, dass sie nur ein ein-Welt-Wandler sind. Das wäre ein wenig traurig. Um so mehr danke ich Ronja für ihre Zerrissenheit. Nur wenn man in zwei Welten lebt, an- und abgestoßen wird, wie die Flut und Ebbe im Meer, von immer wieder der anderen - nur dann kann man den Alltag so reich, so multidimensional beschreiben. Und wenn Hermann Hesse seine Zerrissenheit in den "Steppenwolf" packte - so zieht Ronja nun nach. Im Leben unserer Zeit. In Form eines Tagebuchs. Voller Melodie. Und einer Kraft, derer sie sich selber noch gar nicht bewusst ist.
NZZ über von Rönnes Wettbewerbsbeitrag: "Der rotzige Ton kam nicht gut an, die ostentativ zur Schau gestellten Posen wurden als Posen und nichts als Posen erkannt, und die Leerstelle im Zentrum des Textes bezeichnete Klaus Kastberger als «wahnsinnige Sinnlosigkeit» ohne jede existenzielle Dringlichkeit." http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/grandiose-ernuechterungen-1.18574035 Mehr ist dazu auch nicht zu sagen.
schüttelkugel 05.07.2015
4.
Zitat von joes.worldAlleine die Existenz ihres "Sudelheftes" (bitte googeln), hätte Beweis genug sein müssen. Um ihr einen Preis auszuhändigen. Zur Not den Preis für das beste Tagebuch im deutschsprachigem Raum. Wenn sie in ihrem Sudelheft elektronisch blättern - bitte beobachten sie sich dabei. Ob Emotionen in ihnen aufsteigen. Sind diese stark und heftig der Autorin gegenüber - dann fühlen sie sich am Ende ertappt. Durch Ronjas Texte, unangenehm an sich selber erinnert. Das wäre ein Glücksfall. Ist ihre Reaktion aber dezent und ablehnend - so wissen sie nun, dass sie nur ein ein-Welt-Wandler sind. Das wäre ein wenig traurig. Um so mehr danke ich Ronja für ihre Zerrissenheit. Nur wenn man in zwei Welten lebt, an- und abgestoßen wird, wie die Flut und Ebbe im Meer, von immer wieder der anderen - nur dann kann man den Alltag so reich, so multidimensional beschreiben. Und wenn Hermann Hesse seine Zerrissenheit in den "Steppenwolf" packte - so zieht Ronja nun nach. Im Leben unserer Zeit. In Form eines Tagebuchs. Voller Melodie. Und einer Kraft, derer sie sich selber noch gar nicht bewusst ist.
Na, toll! Vielen Dank für die ausschweifende Werbebotschaft. Stattdessen tue ich das, was an dieser Stelle eher angebracht ist: Nora Gomringer zu beglückwünschen.
joes.world 05.07.2015
5. Und ich dachte, bei einem Literaturwettbewerb ging es um Literatur.
Zitat von annathöleNZZ über von Rönnes Wettbewerbsbeitrag: "Der rotzige Ton kam nicht gut an, die ostentativ zur Schau gestellten Posen wurden als Posen und nichts als Posen erkannt, und die Leerstelle im Zentrum des Textes bezeichnete Klaus Kastberger als «wahnsinnige Sinnlosigkeit» ohne jede existenzielle Dringlichkeit." http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/grandiose-ernuechterungen-1.18574035 Mehr ist dazu auch nicht zu sagen.
Und nicht um "rotzigen Ton" oder "die ostentativ zur Schau gestellten Posen wurden als Posen und nichts als Posen erkannt". Gerade ein Literaturkritiker, der, bei der angeblichen Beurteilung eines Textes, sich auf geringschätzige Weise über den Auftritt auslässt - zeigt viel Emotion. Nicht gerade die beste Voraussetzung, um einen Text inhaltlich zu beurteilen, finden sie nicht auch? Oder hat ihn eben, der Text selber mehr mitgenommen, mehr provoziert als er - vielleicht auch sich selber - zugestehen will? Letzteres ist natürlich spekulativ. Aber objektiv ist doch, dass Kunst immer subjektiv bleiben wird. Und oft, wurden Große erst später als Groß bezeichnet. Wobei ich, subjektiv, wie in letzter Instanz alle Kritiker, anderswo schrieb, dass mir Ronjas Text hier etwas zu sehr konstruiert wirkte. Als wolle Ronja zu einem Literaturwettbewerb eingeladen werden. Das wahre Leben aber, die Ronja als Welten-Wandlerin - die gibt es kostenlos. Im "Sudelheft".
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