Deutscher Buchpreis Die Shortlist steht fest

In Frankfurt wurde am Mittwoch die Shortlist für den Deutschen Buchpreis bekanntgegeben: Mit dabei Jan Faktors Roman, der so manche Buchhändlerin verschmitzt schmunzeln lassen dürfte - und fünf weitere Kandidaten.
Buchpreis-Kandidatin Zander: So literarisch wie flott

Buchpreis-Kandidatin Zander: So literarisch wie flott

Foto: www.gezett.de

Eine junge Frau, ein Feuilletonliebling, ein Osteuropäer, ein Schriftsteller, der ganz ohne Satzzeichen auskommt: Die am Mittwoch veröffentlichte Shortlist für den Deutschen Buchpreis ist, wie es sich für den mittlerweile populärsten deutschen Literaturpreis gehört, fast so ausgewogen wie die Kandidatenliste fürs Präsidium einer Volkspartei. Nur, dass Volksparteien mittlerweile deutlich weniger die Gunst des breiten Publikums genießen, als die Romane von Uwe Tellkamp, Julia Franck oder Katharina Hacker, die in den vergangen Jahren ausgezeichnet worden waren.

Wer aber liefert die "Mittagsfrau", den "Turm" fürs Weihnachtsgeschäft 2010? Im Rennen sind neben Jan Faktor, der mit seiner länglich betitelten Burleske "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" eher Außenseiterchancen haben dürfte, ab sofort offiziell: Thomas Lehr mit "September", einer eher Bachmann-Preis-würdigen, fast schon klassisch avantgardistisch geschriebenen Geschichte ganz ohne Punkt und Komma. Also: auch Außenseiter! Wer würde das schon am Heiligen Abend verschenken? Die Branche geriete ins Wanken.

Dann doch eher Melinda Nadj Abonji mit ihrer Balkangeschichte "Tauben fliegen auf". Oder Doron Rabinovici mit "Andernorts", dem Roman einer jüdischen Familie. Allgemein gefeiert wurde bereits Peter Wawerzinek "Rabenliebe", was seine Chancen eher schmälern dürfte - die Buchpreisjury zeichnet gerne Kandidaten aus, die nicht schon andernorts zum Ruhm gekommen sind.

Womöglich also heißt in diesem Jahr die Favoritin Judith Zander. Der Titel ihres Romandebüts "Dinge, die wir heute sagten" hört sich irgendwie nach Popsong an (spricht Popfans an), genauer gesagt nach Beatles (spricht Ältere an - aber auch Jüngere!), spielt im Osten (spricht Ostdeutsche an - aber auch Westdeutsche!) und ist letztlich doch eine Art moderner Heimatroman (spricht fast alle an), der zudem auch noch so literarisch wie flott geschrieben ist (spricht also alle an).

Noch Fragen? Gut: Seit März haben die sieben Jurymitglieder 148 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2009 und dem 8. September 2010 erschienen sind beziehungsweise erscheinen.

Bereits am 18. August hat die (jährlich wechselnde) Jury 20 Titel für die Longlist zusammengestellt, daraus wurden nochmals 6 Titel erwählt, die um den Deutschen Buchpreis 2010 wettstreiten.

Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich mit ihren Titeln direkt um die Auszeichnung bewerben. Die Besonderheit: Auch Titel, die sich zum Zeitpunkt der Ausschreibung noch in der Produktion befinden, sind zum Auswahlverfahren zugelassen.

Der Preisträger erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die fünf Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro. Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels den besten deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Die Preisverleihung findet am 4. Oktober 2010 zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

Der Gewinner ist - ach, warten Sie's ab.

sha
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