Deutscher Buchpreis Hooligan-Roman steht auf der Shortlist

Philipp Winkler ist mit seinem Romandebüt "Hool" in der engeren Auswahl für den Deutschen Buchpreis. Insgesamt stehen sechs Titel auf der Shortlist für die Auszeichnung, die vor der Frankfurter Buchmesse verliehen wird.

DPA

Sechs Autorinnen und Autoren können sich weiter Hoffnung machen auf den Deutschen Buchpreis 2016. Die Jury gab am Dienstagmorgen bekannt, welche Bücher sie aus den 20 Longlist-Titeln in die engere Auswahl nimmt.

Dies sind die Nominierten für die sogenannte Shortlist (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald (S. Fischer, August 2016)
  • Bodo Kirchhoff: Widerfahrnis (Frankfurter Verlagsanstalt, September 2016)
  • André Kubiczek: Skizze eines Sommers (Rowohlt Berlin, Mai 2016)
  • Thomas Melle: Die Welt im Rücken (Rowohlt Berlin, August 2016)
  • Eva Schmidt: Ein langes Jahr (Jung und Jung, Februar 2016)
  • Philipp Winkler: Hool (Aufbau, September 2016)

"Von Stille bis Gewalt: Die Romane der diesjährigen Shortlist decken ein breites inhaltliches Spektrum ab, doch sie eint eine starke Bodenhaftung, der unmittelbare Bezug zur beobachteten Realität", sagte der Jurysprecher Christoph Schröder zu der Auswahl.

Nur einer der nominierten Autoren, Thomas Melle, stand schon einmal auf der Shortlist für den Buchpreis (2014 mit "3000 Euro"); Bodo Kirchhoff hatte es 2012 mit "Die Liebe in groben Zügen" immerhin auf die Longlist geschafft. Mit Reinhard Kaiser-Mühlecker und Eva Schmidt sind zwei Österreicher unter den letzten Sechs. Schmidt ist die einzige Frau in der engeren Auswahl. Nur eine Frau auf der Shortlist - das gab es zuletzt 2012, als Ursula Krechel mit "Landgericht" den Preis schließlich gewann.

Unter den Verlagen dürften insbesondere bei Rowohlt Berlin die Sektkorken geknallt haben, das gleich zwei Titel unter den letzten Sechs hat. Von den fünf bei S. Fischer erschienenen Büchern auf der Longlist schaffte es nur Kaiser-Mühleckers Roman auf die Shortlist. Renommierte Häuser wie Hanser, Kiepenheuer & Witsch oder Suhrkamp gingen ganz leer aus, dafür haben kleinere Verlage wie die Frankfurter Verlagsanstalt oder, wieder einmal, Jung und Jung noch Chancen.

Als Debütant auf die Buchpreis-Shortlist schaffte es der 30-jährige Autor Philipp Winkler. Sein erster Roman "Hool" handelt von einer Gruppe Hooligans aus dem Umfeld von Hannover 96. Eva Schmidts Roman "Ein langes Jahr", der am Bodensee spielt, ist der erste Roman der Autorin seit 19 Jahren.

Bodo Kirchhoff ist der Senior unter den Nominierten, das jüngste Buch des 68-Jährigen, "Widerfahrnis", trägt die Gattungsbezeichnung "Eine Novelle" im Untertitel - dabei prämiert der Deutsche Buchpreis ja Romane. Doch allzu eng wollten es die Juroren offensichtlich nicht sehen. Sonst wären eventuell auch Diskussionen über "Die Welt im Rücken" ausgebrochen, Thomas Melles eindrucksvolle Chronik seiner manisch-depressiven Erkrankung. (Lesen Sie hier ein Interview mit dem Autor)

Das Verhältnis zwischen Mensch und Natur behandelt der Roman "Fremde Seele, dunkler Wald" von Reinhard Kaiser-Mühlecker, der - obwohl erst 33 Jahre alt - immer wieder für seine bedächtige, rustikale Sprache gelobt wird. Vergleichsweise leicht kommt da die Melancholie daher, die André Kubiczeks "Skizze eines Sommers" verbreitet. Der Roman über die Sommerferienwochen von Teenagern in der DDR des Jahres 1985 ist bereits der sechste des 1969 in Potsdam geborenen Schriftstellers.

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben. Er kürt den besten deutschsprachigen Roman des Jahres. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen.

Über den Sieger entscheidet eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt. Bekannt gegeben wird der Gewinner dann traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse. Er erhält 25.000 Euro, die anderen fünf Finalisten bekommen jeweils 2500 Euro.

Der Deutsche Buchpreis hat unter den vielen literarischen Auszeichnungen inzwischen die höchste Publikumsresonanz. Oft schaffen es die Sieger auf die Bestsellerliste. Im vergangenen Jahr hatte der Offenbacher Autor Frank Witzel den Buchpreis bekommen für seinen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969".

feb/dpa

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