Preis der Buchmesse Ein Altmeister, drei Debütanten

Erneut sind für den Preis der Leipziger Buchmesse eher unbekannte Autoren wie Katja Petrowskaja nominiert - und Martin Mosebach. Auch die Kandidaten für Sachbuch und Essayistik stehen fest.

Klagenfurt-Siegerin 2013, jetzt in Leipzig nominiert: Katja Petrowskaja
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Klagenfurt-Siegerin 2013, jetzt in Leipzig nominiert: Katja Petrowskaja


Leipzig/Hamburg - Die Enkelgeneration steigt hinab in den Morast eines Jahrhunderts: Mit Katja Petrowskaja, 1970 in Kiew geboren, und Per Leo, 1972 in Erlangen geboren, sind gleich zwei Autoren für den Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse nominiert, die sich mit dem Zweiten Weltkrieg beschäftigen. Leos Roman "Flut und Boden" handelt von zwei ungleichen Brüdern, von denen einer Abteilungsleiter im Rasse- und Siedlungshauptamt der SS wird, der andere Humanist und Goetheaner. Die Bachmannpreis-Trägerin Petrowskaja nähert sich dem Thema von der anderen Seite: In "Vielleicht Esther" erzählt die Ukrainerin von der Erschießung ihrer jüdischen Urgroßmutter 1941 in Kiew, wo die Nazis am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Menschen umbrachten.

Wie Leo und Petrowskaja ist auch Fabian Hischmann, Jahrgang 1983, mit seinem Debüt nominiert: "Am Ende schmeißen wir mit Gold" dreht sich um die Suche eines Twentysomething nach sich selbst. Der 1978 in Višegrad in Bosnien-Herzegowina geborene Saša Stanišic komplettiert mit seinem in der Uckermark spielenden Dorfroman "Vor dem Fest" die Riege der jüngeren Autoren. Bleibt der Altmeister und Büchnerpreis-Träger Martin Mosebach, Jahrgang 1951: Sein heiterer Frankfurt- und Jugoslawienroman "Das Blutbuchenfest" handelt von einer bosnischen Putzfrau, die hinter die Kulissen der Wohlstandsbürger schaut.

Auch in der Kategorie Sachbuch und Essayistik wurden fünf Kandidaten nominiert: Diedrich Diederichsen ("Über Pop-Musik"), Jürgen Kaube ("Max Weber: Ein Leben zwischen den Epochen"), Helmut Lethen ("Der Schatten des Fotografen"), Barbara Vinken ("Angezogen: Das Geheimnis der Mode"), Roger Willemsen ("Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament").

Bei den Übersetzern stehen Paul Berf für seine Übertragung von Karl Ove Knausgårds "Spielen" (aus dem Norwegischen), Robin Detje für William T. Vollmanns "Europe Central" (aus dem amerikanischen Englisch), Ursula Gräfe für Haruki Murakamis "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" (aus dem Japanischen), Hinrich Schmidt-Henkel für Denis Diderots "Jacques der Fatalist und sein Herr" (aus dem Französischen) und Ernest Wichner für Varujan Vosganians "Buch des Flüsterns" (aus dem Rumänischen) auf der Leipzig-Shortlist.

Die Auszeichnungen werden am 13.März auf der Leipziger Buchmesse übergeben. Der Preis ist mit 45.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr erhielt David Wagner den Preis für den besten Roman.

tha



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