Donaldisten-Kongress Schwule Gänse, prüde Enten

Wenn sich Donaldisten zum Diskurs über die neuesten Ereignisse in Entenhausen treffen, bleibt kein Auge trocken: Alice Schwarzer outete den eitlen Gustav Gans als Tunte, Bestseller-Autor Frank Schätzing untersuchte das kümmerliche Sex-Leben der Ducks.

Köln - "Ich soll einen Vortrag über die Geschlechter-Beziehungen in Entenhausen halten. Ich bitte Sie. Sowas in Entenhausen. Da bricht mir der Schweiß aus." Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, sonst eher nicht dafür bekannt, bei solchen Themen in Gefühlswallungen auszubrechen, zeigte sich auf dem Kongress der Donaldisten am Mittwochabend in Köln als glühende Verehrerin des Entenhausener-Parallel-Universums.

Damit nicht genug outete Schwarzer Donalds Vetter Gustav Gans als "Tunte" und den Großen Bösen Wolf als "Pädophilen". Bei den gut 900 zum Kongress angereisten Fans der Comic-Großfamilie Duck gab's dafür allseitig gemurmelten Applaus ganz nach Zeichentrick-Manier: "Klatsch-klatsch-klatsch".

In ihrem wissenschaftlich angehauchten Vortrag auf dem Treffen mit dem Titel "ÄCHZ! Der Donaldisten-Kongress" am Rande des internationalen Literaturfestes Lit.Cologne ging Schwarzer auch auf die Rolle von Donalds Neffen Tick, Trick und Track ein. "Die Kleinen sind die Großen, sie sind die Eltern von Donald", betonte die Expertin, um dann noch kurz die Frauenproblematik in Entenhausen zu streifen: "Daisy, Klarabella, Oma Duck und Gundel Gaukelei. Frauen sind ja nicht so ein Riesenthema dort", meinte Schwarzer.

Der Autor des Bestsellers "Der Schwarm", Frank Schätzing, griff in seinem von Lichtbildern begleiteten Vortrag das Thema der fehlenden Erotik in den Comic-Geschichten aus Entenhausen auf. Romantische Szenen und heftige Flirts etwa zwischen Donald und Daisy Duck gebe es zwar viele, die Enten- und Gänsedarstellungen aus der Feder von Disney-Zeichner Carl Barks würden die Helden und Heldinnen allerdings nur als "geschlechtslose Halbnackte" darstellen. Der Autor bemühte den Literaturkritiker Duck-Radetzki mit dessen Feststellung: "Die Bürzel in Entenhausen sind wichtiger als die Brüste."

Und schließlich stellte Schätzing im Zusammenhang mit Oma Duck und ihrem faulen Knecht Franz Gans die von den Zuhörern mit viel "Ächz" und "Stöhn" kommentierte, provozierende Frage: "Geht Oma Duck wirklich nur mit den Hühnern ins Bett?" Von wunderbaren kurzen Zeichentrickfilmen wie "Don Donald" und dem antifaschistischen Klassiker "Der Fuehrer's Face" unterbrochen, widmeten sich die Kongress-Teilnehmer auch dem aktuellen Tagesgeschehen. Hier meldete sich in einer Art Liveschaltung "Tagesthemen"-Moderator Ulrich Wickert mit dem "Täglichen Geschnatter" aus Hamburg und vermeldete den Besuch eines reichen Maharadschas in Entenhausen, die Enthüllung eines Riesendenkmals des Gründers der legendären Comicmetropole, Emil Erpel, und berichtete von einem Baseballspiel, bei dem Daniel Düsentrieb mit der Erfindung extrem schneller Bälle von sich reden machte.

Nach einer von Schauspielern und Autoren vorgetragenen szenischen Lesung des Comics "Die Wette" aus dem Jahr 1948 wies der frühere Kultusminister Hessens, Helmut Holzapfel, auf die Schule in Entenhausen hin. Der dortige Vorsitzende der Schülermitverwaltung (SMV) sei sicherlich nicht ohne Grund ein Ferkel, sagte der Bildungspolitiker: "Die SMV ist hier sicherlich als Vorläufer der Politik-Karriere gemeint."

Mit der darstellenden Kunst und der Literatur im Alltag von Entenhausen beschäftigte sich der Feuilletonist der "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Patrick Bahners. Er berichtete von Donalds "Ehrfurcht vor dem Geschriebenen" und schlug einen Bogen zum Schiller-Jahr und dem Schweizer Nationalhelden Wilhelm Tell. Donalds Neffen nämlich schwören sich reichlich verdreckt nach dem Vorbild des Rütli-Schwurs der Eidgenossen: "Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns waschen und Gefahr."

Am Ende des Kongresses gab's viel "Klatsch, klatsch" aus dem teilweise von weither angereisten Publikum. "Ich würde sofort nach Entenhausen ziehen, wenn ich es finden würde", meinte Werner Mertens aus dem Sauerland. Der Donald-Fan vermisste bei dem Kongress denn auch Antworten auf die "allerwichtigsten Fragen. Nämlich, wo bitte geht's nach Entenhausen, wie steht's um die dortige Außenpolitik und schließlich: Sind die Ducks allesamt Toupet-Träger"?

Fragen, die vielleicht auf dem offiziellen Kongress der Donaldisten-Organisation D.O.N.A.L.D (Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus) geklärt werden können. Das jährliche Treffen findet am 16. April in Aachen statt.

Andreas Rehnolt, AP

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