Düsterer Krimi-Comic Im Land der gebrauchten Sonne

Huren, Anarchisten, Betrüger: Zwei Comic-Künstler adaptieren die fulminanten Kriminalromane des Franzosen Léo Malet aus den vierziger Jahren.

"Die schwarze Trilogie": düstere Welt, gebrochene Charaktere
Ehapa

"Die schwarze Trilogie": düstere Welt, gebrochene Charaktere

Von Jörg Böckem


"Anscheinend gibt es Länder, in denen immer die Sonne scheint", sagt Gina, das schöne, junge Mädchen mit den roten Haaren, das ihren Körper hergeben muss und am Ende tot sein wird. "Aber in dieser trüben Gegend hier sieht selbst die Sonne aus wie schon mal gebraucht." Der Junge Dédé, der sie liebt, sie aber nicht zu retten vermag, weiß: "Alle haben sie unser Grab ausgehoben! Die Eltern, die einen verlassen oder sich an einem Balken aufhängen. Die Bosse, die einen ausbeuten und all die, die Kinder in ein Hotelzimmer locken." Dédé folgt Gina in den Tod, er endet auf der Guillotine.

In Léo Malets "Schwarzer Trilogie" scheint für niemanden die Sonne, Glück ist ein sehr vager, zerbrechlicher Traum, Leben eine Qual und der Tod meist eine Erlösung. Malet gilt als Pendant zu Raimond Chandler und als Begründer des französischen Krimi Noir. Der Anarchist, Surrealist, Clochard, Chansonnier und Dichter errang mit den Romanen um den Pariser Privatdetektiv und Filou Nestor Burma weltweiten Ruhm.

In den Romanen der schwarzen Trilogie, "Das Leben ist zum Kotzen," "Die Sonne scheint nicht für uns" und "Angst im Bauch", geschrieben in den vierziger Jahren, sind die Titel Programm: Malet erzählt grottenfinstere, psychologisch dichte und gleichermaßen brutale wie poetische Geschichten aus den Schattengebieten der französischen Gesellschaft, von Anarchisten, Dieben, Mördern, Huren, Betrügern; an Leib und Seele Deformierte, Betrogene und Verlorene, allesamt in einem chancenlosen Kampf mit den inneren Dämonen und einer feindlichen Außenwelt verstrickt.

Gebrochene Charaktere

In diesem Jahr wäre Léo Malet 100 Jahre alt geworden, die Comic-Version seiner Trilogie ist eine angemessene Würdigung. Sicher, Autor Philippe Bonifay und Zeichner Youssef Daoudi haben es im Vergleich mit den fulminanten, von Malet selbst zu Lebzeiten sehr geschätzten Nestor-Burma-Adaptionen von Comic-Großmeister Jacques Tardi nicht leicht. Aber die Geschichten, allen voran das großartige "Die Sonne scheint nicht für uns", sind stimmungsvoll umgesetzt, es gelingt Bonifay und Dadoudi, Malets düstere Welt und gebrochene Charaktere in Bilder und Sprechblasen zu übersetzen.

Der Ehapa-Verlag versammelt alle drei Geschichten in einem schönen, aber ziemlich teueren Hardcover-Band. "All In One - Abgeschlossene Story" heißt es auf dem Einband. Genau genommen sind es drei abgeschlossene Erzählungen, die auch als Einzelbände wunderbar funktioniert hätten.


Buch: "Die schwarze Trilogie"
Szenario: Philippe Bonifay nach Romanen von Léo Malet, Zeichnungen: Youssef Daoudi, Kolorierung: Damie Callixte Schmitz, aus dem Französischen von Martin Budde. Ehapa, 168 Seiten, 39,95 Euro



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