Zum Tod von Nobelpreisträger Wiesel "Er war das Gewissen der Welt"

Elie Wiesel, einer der bekanntesten Holocaust-Überlebenden, ist tot. Er kämpfte gegen das Vergessen. Die Welt trauert und gedenkt eines großen Mahners - die Reaktionen.
Zum Tod von Nobelpreisträger Wiesel: "Er war das Gewissen der Welt"

Zum Tod von Nobelpreisträger Wiesel: "Er war das Gewissen der Welt"

Foto: GARY CAMERON/ REUTERS

Elie Wiesel ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Überlebende des Holocaust engagierte sich Zeit seines Lebens gegen Rassismus, Diskriminierung und Unterdrückung. Für sein politisches und publizistisches Wirken wurde er mehrfach ausgezeichnet. 1986 erhielt er -auf Vorschlag des Deutschen Bundestages - den Friedensnobelpreis (lesen Sie hier die Nachrichtenzusammenfassung).

Die Nachricht von Wiesels Tod sorgte weltweit für Bestürzung. "Wir haben einen großartigen Menschen und außerordentlichen Gelehrten und Schriftsteller verloren", schreibt Bundespräsident Joachim Gauck an Wiesels Witwe. Der 87-Jährige habe es verstanden, "als Zeitzeuge die Erinnerung an die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte wach zu halten und vor allem junge Menschen vor den Gefahren von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit zu warnen".

Gauck erinnerte an Wiesels Rede vor dem Bundestag im Jahr 2000. "Seine Äußerungen berührten die Menschen, gleichgültig ließen sie keinen."

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Elie Wiesel ist tot: Sein Leben in Bildern

Foto: ? Jason Reed / Reuters/ REUTERS

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt", erklärte der SPD-Politiker in Berlin.

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US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als "eine der großen moralischen Stimmen unserer Zeit" und "Gewissen der Welt". Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Staatschefs. "Er war ein lebendes Denkmal." Wiesel habe trotz des Erlittenen niemals den Glauben an die Menschlichkeit "und den Fortschritt verloren, der möglich ist, wenn wir uns gegenseitig mit Würde und Respekt behandeln". Dafür, schreibt Obama, sagen wir "heute Abend unseren Dank".

Obama erinnerte auch an einen gemeinsamen Besuch in Buchenwald im Juni 2009. "Nachdem wir zwischen Stacheldraht und Wachtürmen von Buchenwald hindurch gegangen waren, sagte Elie Worte, die ich nie vergessen habe: 'Die Erinnerung wurde eine heilige Pflicht aller Menschen mit gutem Willen'", erklärte Obama.

Melinda Gates, die mit ihrem Mann, Microsoft-Gründer Bill Gates, eine Stiftung zur Bekämpfung von Armut und Krankheiten betreibt, bekundete auf Twitter ihre "tiefe Trauer". Wiesel habe in den dunkelsten Zeiten seinen Optimismus bewahrt und andere dazu gebracht "das Schöne in der Menschlichkeit" zu sehen.

Oscar-Preisträger George Clooney rief nach dem Tod von Wiesel dazu auf, den humanitären Kampf des Holocaust-Überlebenden fortzusetzen. Wiesel habe "unseren Schmerz, unsere Schuld und unsere Verantwortung" über Generationen hinweg auf seinen Schultern getragen.

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Frankreichs Präsident François Hollande würdigte Wiesel als "großen Humanisten und unermüdlichen Verteidiger des Friedens".

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erinnerte an die außergewöhnliche Persönlichkeit des 87-Jährigen. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanyahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres nannte Wiesel einen Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts."

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Auch das internationale Auschwitz Komitee ehrte den Holocaust-Überlebenden als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebenden-Organisation.

Der jüdische Weltkongress zeigte sich bestürzt über den Tod Wiesels. "Elie Wiesel war einer der großen jüdischen Lehrer und Denker der vergangenen 100 Jahre", sagte Präsident Ronald S. Lauder in Brüssel. "Er lehrte uns über das Judentum, über Israel und darüber, nicht stumm zu sein im Angesicht von Ungerechtigkeit."

Lesen Sie hier ein Interview, das der SPIEGEL 2006 mit Elie Wiesel führte:

70 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben ehemalige Häftlinge bei einestages über ihre Erlebnisse berichtet. Auch Elie Wiesel hat seine Geschichte erzählt. Lesen Sie sie hier:

heb/dpa/AFP
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