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Elie Wiesel ist tot: Sein Leben in Bildern

Foto: ? Jason Reed / Reuters/ REUTERS

Nobelpreisträger Elie Wiesel ist tot

Er überlebte den Holocaust und setzte sich für Menschenrechte ein - nun ist Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel im Alter von 87 Jahren gestorben.

Autor und Menschenrechtsaktivist Elie Wiesel ist tot. Das berichten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Er verstarb im Alter von 87 Jahren. Genauere Details zu seinem Tod waren zunächst nicht bekannt.

Wiesel wurde 1928 in Sighet in Siebenbürgen geboren und zusammen mit seiner Familie 1944 nach Auschwitz deportiert. Sein Vater Schlomo, seine Mutter Sarah und die kleinste seiner drei Schwestern starben in der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Nach der Emigration in die USA engagierte Wiesel sich für die aktive Erinnerung an den Holocaust und verfasste zahlreiche Romane zu dem Thema.

Dabei zeigt er sich auch immer wieder als Versöhner. "Ich habe nie an eine Kollektivschuld geglaubt", sagte er 2012 bei einem Kongress in Auschwitz. "Die Kinder der Mörder sind keine Mörder, sondern Kinder." Die Menschheit müsse sich endlich ändern und Frieden schaffen, forderte er 2009 in Buchenwald. "Wir sind genug über Friedhöfe gegangen."

Lebenslanger Kampf gegen Gewalt und Unterdrückung

1945 kam Wiesel nach Paris, wo er Philosophie und Literatur studierte. Er arbeitete als Lehrer und Übersetzer und später als Journalist. 1956 ging er als UN-Berichterstatter nach New York. Die Staatsbürgerschaft der USA erhielt er 1963. Am New Yorker City College erhielt Wiesel 1972 eine Professur für Literatur, Philosophie und Judaismus, sechs Jahre später ging er an die Universität Boston.

Ab den 50er Jahren begann Wiesel zu schreiben, auch beeinflusst durch seine Freundschaft mit dem französischen Dichter François Mauriac. Zu seinen berühmtesten Büchern zählt "La Nuit" ("Die Nacht"), der autobiographische Roman erschien 1958 in Frankreich. Darin schreibt Wiesel über seine Erfahrungen in Auschwitz, von wo er nach Buchenwald verlegt worden war. Es war der erste Teil einer Trilogie über die Lebensgeschichte eines jungen Juden, der letztlich in den USA landet.

Für sein Engagement im Kampf gegen Gewalt, Unterdrückung und Rassismus wurde Wiesel 1986 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Kurz danach gründete er gemeinsam mit seiner Frau Marion die Elie Wiesel Foundation for Humanity. Deren Ziel war der "Kampf gegen Gleichgültigkeit, Intoleranz und Ungerechtigkeit" durch internationalen Dialog und Jugendprogramme, die "Akzeptanz, Verständnis und Gleichheit" fördern sollten. Vor zwei Jahren wurde er in New York mit einem der höchsten deutschen Orden, dem Großen Verdienstkreuz mit Stern, geehrt.

Wortkünstler mit außergewöhnlicher Persönlichkeit

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahiu reagierte bestürzt auf den Tod des Nobelpreisträgers. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanjahu. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

"Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein großer Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Nach dem Horror des Holocausts habe Wiesel sein Leben dem Kampf gegen Gleichgültigkeit und Vergessenheit gewidmet. "Ich bin traurig über den Tod eines großen Menschen und verneige mich vor seinem Lebenswerk", erklärte der SPD-Politiker.

Der Friedensnobelpreisträger Schimon Peres hat an Wiesel als Menschen erinnert, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. "Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocaustes", sagte Israels früherer Staatspräsident. "Er hat die schlimmsten Gräueltaten der Menschheit ausgehalten, überlebt und sein Leben dem Vermitteln der Nachricht "Niemals wieder" gewidmet."

Auch das internationale Auschwitz-Komitee meldete sich nach dem Tod von Wiesel zu Wort und ehrte den Holocaust-Überlebenden als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation.

Wiesel sei die Stimme der in Auschwitz von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Frauen, Kinder und Männer gewesen, "die immer wieder die Vergesslichkeit, den Antisemitismus und den Hass übertönte." Er werde gerade in "diesen Tagen des Hasses und des Fundamentalismus schmerzlich vermisst" werden, sagte Heubner.

Lesen Sie hier ein Interview, das der SPIEGEL 2006 mit Elie Wiesel führte:

70 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz haben ehemalige Häftlinge bei einestages über ihre Erlebnisse berichtet. Auch Elie Wiesel hat seine Geschichte erzählt. Lesen Sie sie hier:

asc/dpa/afp
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