»Fünf Freunde«-Kinderbuchautorin Neue Aufregung um alte Rassismusvorwürfe gegen Enid Blyton

An Enid Blyton erinnert eine Gedenktafel bei London. Die zuständige Behörde erwähnt nun, dass der Kinderbuchautorin Rassismus vorgeworfen wurde. Sorgen, die Tafel könnte abgehängt werden, wies sie zurück.
Autorin Enid Blyton (1897-1968): Schon 1960 wurde ihr ein »Hauch altmodischer Fremdenfeindlichkeit«« vorgeworfen

Autorin Enid Blyton (1897-1968): Schon 1960 wurde ihr ein »Hauch altmodischer Fremdenfeindlichkeit«« vorgeworfen

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Blyton_Company_Ltd. / picture-alliance / dpa

In Großbritannien ist eine Debatte über rassistisches Gedankengut im Werk der Kinderbuchautorin Enid Blyton entbrannt. Die Organisation English Heritage, die unter anderem historische Häuser verwaltet und das Andenken an deren berühmte Bewohner pflegt, hat den Eintrag auf ihrer Website über die 1968 verstorbene Schriftstellerin aktualisiert, berichtete der »Daily Telegraph« diese Woche . Dort heiße es nun, Blytons Arbeit sei wegen ihres »Rassismus, ihrer Fremdenfeindlichkeit und wegen ihres geringen literarischen Werts« kritisiert worden.

Konservative Medien reagierten empört. Blyton, unter anderem bekannt für ihre Jugendbuchreihe »Fünf Freunde«, sei Opfer der sogenannten Cancel Culture geworden, schrieb der »Daily Express«. Mit diesem Begriff wird die öffentliche Ächtung wegen eines vermeintlichen Fehlverhaltens angeprangert.

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English Heritage hatte 1997 eine blaue Gedenkplakette an Blytons früherem Wohnhaus in Chessington südwestlich von London angebracht. Auf der Gedenktafel haben nur wenige Worte Platz. Die ergänzende biografische Notiz ist auf der Website  und in der App der Organisation zu lesen. Die Kampagnengruppe »Save Our Statues«, die sich den Schutz von Großbritanniens »außerordentlichem und unersetzlichem historischen und kulturellen Erbe« auf die Fahnen geschrieben hat, twitterte , die Plakette solle besser abgenommen werden, denn »als fortwährende Beleidigung« hängen zu bleiben.

Bemüht, »ein umfassenderes Bild« zu zeichnen

English Heritage erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP, der Eintrag zu Blyton sei bereits im Juli 2020 geändert worden, um darauf hinzuweisen, dass einige ihrer Bücher »wegen ihres Rassismus kritisiert wurden«. Die Organisation ist nach eigenen Angaben darum bemüht, »ein umfassenderes Bild vom Leben der Persönlichkeiten zu zeichnen, das auch Aspekte beinhaltet, die Menschen als problematisch empfinden«. In diesem Sinne hatte man nach den »Black Lives Matter«-Protesten die biografischen Notizen durchgesehen und unter anderem auch den Eintrag zu »Dschungelbuch«-Autor Rudyard Kipling überarbeitet: Hier wird nun  auf Kritik an dessen »imperialistischen Ansichten und der Romantisierung des Kolonialismus« hingewiesen.

Im Falle von Enid Blyton steht vor allem die Geschichte »Little Black Doll« (Kleine schwarze Puppe) im Mittelpunkt der Kritik, in der das Gesicht der Puppe vom Regen »rein« gewaschen wird. Erst dann will der Besitzer die Puppe wiederhaben. Die Geschichte wurde nach Angaben der Enid Blyton Society erstmals 1937 veröffentlicht. English Heritage verweist darauf, dass bereits 1966 im »Guardian« ein Artikel erschien, der diese Geschichte als rassistisch brandmarkte.

2005 kam aus den Archiven des Verlags Macmillan ein Gutachten aus dem Jahr 1960 an die Öffentlichkeit , in dem die Theaterkritikerin Phyllis Hartnoll das von Blyton eingereichte Buch »The Mystery That Never Was« scharf kritisierte. Unter anderem fand sie einen »Hauch altmodischer Fremdenfeindlichkeit« in dem Roman und riet von der Veröffentlichung ab. Das Buch erschien später in einem anderen Verlag.

Die biografische Notiz, in der selbstverständlich auch Blytons große Erfolge mit Kinderbuchreihen wie »Fünf Freunde« oder »Die schwarze Sieben« erwähnt werden, endet mit dem Hinweis darauf, dass sich 2016 die Königliche Münzanstalt dagegen entschieden habe, Enid Blyton mit einer Gedenkmünze zu ihrem 50. Todestag zu ehren. 2019 waren die Anmerkungen des Beratungskomitees veröffentlicht worden , denen zufolge Blyton für eine »rassistische, sexistische, homophobe und nicht sehr hoch angesehene Autorin« gehalten werde.

Der Blyton-Experte David Buckingham sagte, Geschichten wie die der schwarzen Puppe wolle heutzutage niemand mehr einem Kind vorlesen. Solches Gedankengut sei zwar »bezeichnend« für die damalige Zeit, dies bedeute aber nicht, dass die Autorin frei sei von jeglicher Verantwortung.

Anna Eavis, die kuratorische Direktorin von English Heritage betonte , man habe »überhaupt keine Pläne, irgendeine der Gedenkplaketten in London abzuhängen«.

feb/AFP
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