"Entdeckung des Himmels" Schriftsteller Harry Mulisch ist tot

Harry Mulisch, einer der großen niederländischen Nachkriegsliteraten, ist tot. Der Schriftsteller, der mit Romanen wie "Das Attentat" und "Die Entdeckung des Himmels" Weltruhm erlangte, starb im Alter von 83 Jahren an Krebs.

Harry Mulisch (auf der Frankfurter Buchmesse 2001): Der Schriftsteller starb am Samstag
dpa

Harry Mulisch (auf der Frankfurter Buchmesse 2001): Der Schriftsteller starb am Samstag


Amsterdam - Trauer um den niederländischen Schriftsteller Harry Mulisch. Der Autor des Welterfolgs "Die Entdeckung des Himmels" erlag am Samstagabend im Alter von 83 Jahren einer Krebserkrankung. Das teilte sein Verlag De Bezige Bij am Sonntag mit. Mulisch sei in seinem Haus in Amsterdam gestorben.

Der 1927 in Haarlem geborene Autor war international hochgeehrt und über Jahre hinweg immer wieder als Anwärter auf den Literaturnobelpreis im Gespräch. Auch in Deutschland hatte er viele Leser. Zusammen mit den bereits vor vielen Jahren gestorbenen Autoren Gerard Reve und Willem Frederik Hermans wurde Mulisch stets zu den "Großen Drei" der niederländischen Literatur gezählt.

Mulischs umfangreiches Werk mit Romanen, Novellen, Essays, Dramen, Opernlibretti und Gedichtbänden fand Leser in aller Welt. Einige seiner Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Stark geprägt wurde sein Schaffen durch die Erinnerung an den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg.

Mulischs Vater, ein ehemaliger österreichischer Offizier, verwaltete während der deutschen Besetzung der Niederlande konfisziertes jüdisches Vermögen, wurde dafür nach Kriegsende für drei Jahre in ein Internierungslager gesteckt. Die Funktion des Vaters trug allerdings auch dazu bei, dass Mulisch und dessen jüdische Mutter die Nazi-Herrschaft weitgehend unbeschadet überstehen konnten.

Die Verfilmung seines Romans "Die Entdeckung des Himmels", in dem der von der Menschheit enttäuschte Gott zwei Engel damit beauftragt ihm die beiden Steintafeln mit den zehn Geboten zurückzuholen, gilt als bisher teuerste niederländische Filmproduktion. Der 2001 von Jeroen Krabbé gedrehte Film wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Als Anerkennung für seine "wichtigen Vermittlerrolle" wurde Mulisch 2002 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verliehen.

abl/mak/dpa



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