Erbschaftsstreit um Stieg Larsson Einfach nur "Ja, bitte" sagen

Die Familie Stieg Larssons sucht im Erbschaftsstreit nach einem Kompromiss: Sie will die Lebensgefährtin abfinden, die um einen größeren Anteil am Millionen-Erbe des verstorbenen Bestseller-Autors kämpft. Ihr größter Schatz ist Larssons Laptop - darauf existiert ein viertes Krimi-Manuskript.

Krimi-Autor Stieg Larsson (Foto von 2004): hat den Welterfolg seiner Trilogie nicht erlebt
DPA/ Scanpix

Krimi-Autor Stieg Larsson (Foto von 2004): hat den Welterfolg seiner Trilogie nicht erlebt


Stockholm - Der Streit um das Millionen-Erbe des verstorbenen Bestseller-Autors Stieg Larsson geht in eine neue Runde: In einem Interview mit der schwedischen Zeitung "Svenska Dagbladet" hat Larssons Vater dessen langjähriger Lebensgefährtin Eva Gabrielsson eine Abfindung von 20 Millionen Kronen, umgerechnet etwa 1,9 Millionen Euro, angeboten: "Alles, was sie tun muss, ist bei uns anrufen und 'Ja, bitte' sagen."

Gabrielsson wirft dem Vater und dem Bruder Larssons vor, sich auf Kosten des Verstorbenen bereichern zu wollen. Sie kritisiert, dass die Familie, mit der Larsson ihr zufolge gar keinen Kontakt mehr hatte und die nicht einmal zu seiner Beerdigung gekommen sei, sämtliche Tantiemen aus der "Millennium"-Trilogie ("Verblendung", "Verdammnis", "Vergebung") kassiert. Nach Schätzung von "Svenska Dagbladet" belaufen diese sich bislang auf 130 Millionen Kronen (rund 13 Millionen Euro) für gut 20 Millionen verkaufte Exemplare in 40 Ländern.

Stieg Larsson hat nicht einmal die Anfänge des weltweiten Erfolges seiner Krimi-Helden Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander erlebt: Er war 2004 kurz vor der Veröffentlichung des ersten Bandes mit 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Weil er und Gabrielsson zwar über 30 Jahre liiert waren, aber nie geheiratet hatten, war das Millionen-Erbe der Familie zugesprochen worden.

13 Millionen Euro - erst der Anfang der Erfolgsgeschichte

Es ist fraglich, ob der seit fünf Jahren tobende Streit mit einer Abfindung beizulegen ist. Dass Gabrielsson klein beigibt, gilt als unwahrscheinlich. Für viele, Fans wie Medien, sind die Larssons die Bösen und Gabrielsson wird als übergangene Partnerin verklärt, die vorrangig Larssons idealistische Ziele verteidigt: Er soll die Einnahmen aus seiner Krimi-Serie politischen Zwecken zugedacht haben - Larsson war Begründer des antifaschistischen Magazins "Expo" und sehr engagiert gegen Rechtsextremismus -, was er jedoch ebenso wenig schriftlich festhielt wie die Sicherung von Ansprüchen seiner Lebensgefährtin.

Larsson-Bruder Joakim widerspricht den Anschuldigungen: Er habe sehr wohl Kontakt zu seinem Bruder gehabt und vermisse ihn sehr, sagte er erst kürzlich der "Süddeutschen Zeitung". Andere, die dem Autor nahe standen, bestätigen, dass er durchaus eine Beziehung zu seiner Familie gehabt habe. Auch heißt es, Gabrielsson wolle bloß einen größeren Erbanteil; vom Gericht hatte sie nur die gemeinsame Wohnung zugesprochen bekommen. Angeblich gab es bereits früher ein Abfindungsangebot, das sie als zu niedrig abgelehnt haben soll. Über die Höhe schweigen sich die Streithähne aus.

Vierter Teil wartet auf Fertigstellung

Beobachter der Situation verweisen darauf, dass sich der Konflikt eher zuspitzen als entspannen dürfte, da es schon bald um viel mehr Geld gehen könnte als bisher. In den 130 Millionen Kronen sind nämlich weder die Einnahmen aus dem außereuropäischen Ausland enthalten noch die Erlöse aus den Kino-Versionen zur "Millennium"-Reihe ( Der erste Teil, "Verblendung", startete Anfang Oktober in Deutschland).

Auch ein halbfertiges Manuskript zu einem vierten Teil der von Larsson auf zehn Bände ausgelegten Reihe gibt es auch noch - auf einem Laptop, den Gabrielsson unter Verschluss hält. Auch über eine mögliche Fertigstellung dieses Buches streiten sich die Parteien.

can/dpa



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