US-Südstaaten-Autor Ernest J. Gaines ist tot

Geboren auf einer Plantage in Louisiana, waren ihm als Kind Bücher verboten. Als Schriftsteller wurde er zu einer gewichtigen afroamerikanischen Stimme. Nun ist Ernest J. Gaines gestorben, er wurde 86 Jahre alt.

Ernest J. Gaines: In seinen Werken verarbeitete er seine Kindheit auf einer Plantage in Louisina
Adine Sagalyn/ akg-images

Ernest J. Gaines: In seinen Werken verarbeitete er seine Kindheit auf einer Plantage in Louisina


Seine ersten Schreiberfahrungen machte er auf der Plantage in Louisiana, wo er geboren wurde: Ernest J. Gaines verfasste Briefe an Verwandte von Analphabeten. Diese und ähnliche Erfahrungen von Schwarzen in der noch immer von Weißen dominierten Gesellschaft flossen später in seine Romane ein. In Deutschland gehört sein Roman "A Lesson Before Dying" (1993) inzwischen zur Schullektüre. Gaines selbst war in seiner Kindheit der Zugang zu Büchern strikt verboten - aufgrund der strikten Segregation, die auch den Zugang zu öffentlichen Bibliotheken betraf. Am Dienstag ist der afroamerikanische Autor im Alter von 86 Jahren gestorben, wie die Baton Rouge Area Foundation mitteilte.

John Davies, Präsident der Stiftung, würdigte Gaines als Geschenk Louisianas. "Er wird mit seiner kraftvolle Prosa, die den Leser unmittelbar in die Geschichten des alten Südens versetzt und die nur er so schreiben konnte, in Erinnerung bleiben." Auch Louisianas Gouverneur, John Bel Edwards, unterstrich die Bedeutung des Autors: "Wir alle sind gesegnet, dass Ernest Worte und Geschichten hinterlassen hat, die auch in Zukunft viele Generationen inspirieren werden."

Insgesamt veröffentlichte Gaines acht Romane, in denen er die Erfahrungen seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen thematisierte. In dem inzwischen zum Klassiker gewordenen "A Lesson Before Dying" etwa ist der Lehrer der Plantagenschule die zentrale Figur. Über diesen Lehrer erkundet Gaines die Themen all seiner Werke: Opfer und Pflicht, Verpflichtung gegenüber anderen, die Fähigkeit zu lieben und das Wesen des Mutes.

Seinen Roman "A Gathering of Old Men" ("Ein Aufstand alter Männer") aus dem Jahr 1984 verfilmte Volker Schlöndorff wenige Jahre später. Zu den weiteren Werken Gaines' zählen "The Autobiography of Miss Jane Pittman" (1971), "Of Love and Dust" (1967), "Bloodline" (1968), "A Long Day in November" (1971) and "In My Father's House" (1978).

Gaines erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter Stipendien der National Endowment for the Arts sowie der Rockefeller-Stiftung und der Guggenheim-Stiftung. Insgesamt fünf Colleges und Universitäten verliehen ihm den Ehrendoktortitel.

brs/AP



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