Preisgekrönter Schriftsteller Ernst Augustin ist tot

Als "ewigen Geheimtipp" bezeichnete sich Ernst Augustin sogar selbst: Trotz vieler Preise und großen Lobs gelang dem Autor nie der endgültige Durchbruch. Nun ist Augustin mit 92 Jahren verstorben.

Schriftsteller Ernst Augustin: bewunderter Kollege
Ulrich Baumgarten/ DPA

Schriftsteller Ernst Augustin: bewunderter Kollege


Der Autor Ernst Augustin ist tot. Er starb am 3. November, wenige Tage nach seinem 92. Geburtstag, wie der Verlag C.H. Beck mitteilte. Er würdigte ihn als "einen der großen Schriftsteller deutscher Sprache". Das Romanwerk, das er hinterlässt, sei "von seltener erzählerischer Virtuosität und Originalität". Augustins literarisches Schaffen war untrennbar verbunden mit seiner Arbeit als Mediziner und Psychiater, seine Arbeit kreiste um die Frage: Was ist das Ich?

Augustin wurde 1927 als Sohn eines Lehrers in Hirschberg im Riesengebirge geboren und wuchs in Schwerin auf. In Ost-Berlin studierte er Medizin und arbeitete als Assistenzarzt für Neurologie und Psychiatrie, ehe er in den Westen floh. Von 1958 bis 1961 leitete er ein Krankenhaus in Afghanistan. In seiner Wahlheimat München arbeitete er anschließend als Arzt und später als psychiatrischer Gutachter.

Zu Augustins bekanntesten Werken gehören sein Erstling "Der Kopf" (1962) und "Die Schule der Nackten" (2003). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen: beispielsweise den Mörike-Preis (2009), den Ernst-Hoferichter-Preis (2008) und den Literaturpreis der Landeshauptstadt München (1999). Sein Roman "Robinsons blaues Haus" stand 2012 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. "Ich bin seit einem halben Jahrhundert der ewige Geheimtipp", kommentierte Augustin die Nominierung damals. "Das ist nicht ohne Komik."

Ein "Fäustchen"

Der Buchpreis ging schließlich an "Landgericht" von Ursula Krechel. Doch Augustin war unverändert stolz auf seinen Roman: "Mein 'blaues Haus' empfinde ich wie das Dach über meinen ganzen Büchern. Es ist so etwas wie mein 'Faust' - oder eher ein 'Fäustchen'", sagte er.

"Aufs Ganze gesehen", schrieb die "Süddeutsche Zeitung" zu Ehren von Augustins 90. Geburtstag, "ist dieser Schriftsteller ein 'author's author', das heißt einer, dessen ungeheures Können in der Erzeugung von Leichtigkeit, aber nie von Leichtgewichtigem, von Komischem, aber nie Trivialem, von echtem Ernst, aber nie falschem Tiefsinn von den Kollegen vorbehaltlos bewundert wird."

Im "SZ-Magazin" hatte Augustin 2013 auf die Frage, ob er Angst vor dem Tod habe, noch geantwortet: "Nein. Man kann noch nicht mal sagen, dass ich Neugierde habe, obwohl es wahrscheinlich ein unglaubliches Erlebnis ist, was man haben wird. So ungeheuerlich, wie wenn man in diese Welt hineinkommt. Das haben wir bloß vergessen."

hpi/dpa

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