Eudora Welty Die Meisterin der Kurzgeschichte ist tot

Sie gehörte zu den einflussreichsten Schriftstellerinnen der modernen amerikanischen Literatur: Die Pulitzer-Preisträgerin Eudora Welty starb 92-jährig an einer Lungenentzündung.


Der Nobelpreis blieb ihr verwehrt: Autorin Welty (1992)
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Der Nobelpreis blieb ihr verwehrt: Autorin Welty (1992)

New York - Die "New York Times" berichtete am Dienstag, dass Welty am Montag in einem Krankenhaus von Jackson (im US-Bundesstaat Mississippi) den Folgen der Krankheit erlag. Sie war weithin bekannt für ihre einfühlsamen Schilderungen vom Alltag in den Südstaaten der USA und ihren scharfen Humor. Viele Werke von ihr sind auch auf Deutsch erschienen, darunter die Romane "Der Räuberbräutigam", "Die Hochzeit", "Mein Onkel Daniel" und der Erzählband "Die goldenen Äpfel".

Welty hatte den Pulitzerpreis in der Literaturkategorie 1973 für den Roman "Die Tochter des Optimisten" bekommen. Als Meisterin der Kurzgeschichte wurde sie oft in einem Atemzug mit Anton Tschechow genannt. Andere Kritiker sahen sie als herausragende Vertreterin der Schule des Südens, zusammen mit William Faulkner, Katherine Anne Porter und Flannery O'Connor. Diese regionale Begrenzung ist nach Einschätzung der Zeitung der Grund, warum Welty nicht der Literatur-Nobelpreis verliehen wurde.

Die Autorin wurde mit zwei Erzählungen in der Literaturzeitschrift "Atlantic Monthly" bekannt, "Warum ich im Postamt wohne" ("Why I Live in the P.O.") und "Ein ausgetretener Pfad" ("A Worn Path"). Beide Geschichten wurden zu Klassikern der zeitgenössischen US-Literatur. 1941 erschien ihre erste Sammlung von Kurzgeschichten, "A Curtain of Green".

Mit Ausnahme ihrer Studienzeit verbrachte die Autorin praktisch ihr ganzes Leben in ihrer Heimatstadt Jackson. Sie lebte bis zuletzt in dem Haus, das sie als junges Mädchen mit ihrer Familie bezogen hatte. Welty blieb unverheiratet, weil "eine Hochzeit nie zur Debatte stand". Dafür lebte sie in der Welt der Literatur. In der benachbarten Andrew Carnegie Bücherei lieh sie sich Jahrzehnte lang täglich zwei Bücher aus. Die Bücherei wurde 1986 nach ihr umbenannt.



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