Erfinder des »Tatort«-Kommissars Bienzle Felix Huby ist tot

Gleich drei »Tatort«-Kommissare erdachte Felix Huby, darunter seinen schwäbischen Landsmann Bienzle. Der preisgekrönte Drehbuchautor schrieb auch Krimis und war SPIEGEL-Korrespondent. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben.
Autor Huby im Büro: Journalist, Krimiautor, Drehbuchschreiber

Autor Huby im Büro: Journalist, Krimiautor, Drehbuchschreiber

Foto: imago stock&people

Er war einer der produktivsten und erfolgreichsten Drehbuchautoren Deutschlands: Felix Huby erfand die »Tatort«-Kommissare Bienzle (SWR), Palu (SR) und Casstorff (NDR), auch an der Entwicklung von Götz Georges Schimanski (WDR) war er beteiligt. Daneben kamen noch Hunderte Drehbücher für Serien und Filme sowie Romane, Kinderbücher und Theaterstücke.

Nun ist Huby im Alter von 83 Jahren am Freitag in Berlin gestorben. Das bestätigte der Filmproduzent Zoran Solomun unter Berufung auf Hubys Sohn. Huby war seit Längerem an Krebs erkrankt, zuletzt sei es ihm aber deutlich besser gegangen, berichtete die »Stuttgarter Zeitung«, die Hubys Tod zuerst vermeldet hatte .

»Einen der prägenden Autoren der deutschen Fernsehkultur verloren«

SWR-Intendant Kai Gniffke drückte in einer Mitteilung  seine tiefe Trauer um den Autor aus, der dem Sender lang verbunden war: »Mit Felix Huby haben wir einen der prägenden Autoren der deutschen Fernsehkultur verloren.« Huby habe als Bienzle-Erfinder »in unschätzbarem Maße dazu beigetragen, den Südwesten im TV zu repräsentieren«. Huby habe es in unvergleichlicher Art verstanden, das Lebensgefühl der Menschen in spannende und heitere Geschichten zu fassen, so Gniffke.

Der Verband Deutscher Drehbuchautoren bezeichnete Huby auf Facebook  als angenehmen Kollegen, als humorvollen und liebenswürdigen Menschen: »Wir werden dich in Erinnerung behalten und wir werden dich vermissen.«

Pseudonym vom SPIEGEL-Chef

Geboren wurde der Schwabe als Eberhard Hungerbühler am 21. Dezember 1938 in Dettenhausen bei Tübingen. Er verließ das Gymnasium ohne Abitur und begann eine Karriere als Journalist, zunächst bei der »Schwäbischen Donauzeitung« in Ulm. Nach Stationen bei der Warentest-Zeitschrift »DM« und der naturwissenschaftlichen Zeitschrift »X-Magazin« wurde er 1972 Stuttgarter Korrespondent für den SPIEGEL. Hungerbühler berichtete über Geschehnisse im Umfeld des RAF-Gefängnisses in Stammheim, interviewte den Ministerpräsidenten und ehemaligen NS-Marinerichter Filbinger.

Seinen ersten Roman schrieb Hungerbühler, als er noch das Stuttgarter SPIEGEL-Büro leitete. Rudolf Augstein persönlich verpasste ihm ein Pseudonym, weil er nicht wollte, dass ein SPIEGEL-Autor unter seinem eigenen Namen einen Krimi veröffentlicht. Fortan hieß Hungerbühler Felix Huby. Als er sich endgültig als Autor selbstständig machte, räumte ihm Augstein ein Rückkehrrecht ein – so zumindest erzählte Huby es später.

Unter dem Pseudonym schrieb er ab 1977 Kriminalromane (»Der Atomkrieg in Weihersbronn«), in denen er auf authentische Fälle aus seiner Journalistenzeit zurückgriff. Beliebt vor allem im Südwesten wurde sein bodenständiger Kommissar Ernst Bienzle, der 1991 auch fürs Fernsehen entdeckt wurde und sein »Tatort«-Debüt hatte. Nach langer Suche hatte Huby in dem Stuttgarter Staatsschauspieler Dietz-Werner Steck einen adäquaten Darsteller für die Bienzle-Romanfigur gefunden.

Dietz-Werner Steck als Huby-Figur Bienzle

Dietz-Werner Steck als Huby-Figur Bienzle

Foto: Patrick Seeger / picture-alliance / dpa/dpaweb

Huby war zu jenem Zeitpunkt längst als Fernsehautor etabliert. Er schrieb unter anderem eine Vielzahl von beliebten Vorabendserien wie »Der Hafendetektiv«, »Köberle kommt« und »Der Eugen«. Einer seiner größten Erfolge wurde die ARD-Serie »Oh Gott, Herr Pfarrer« mit Hauptdarsteller Robert Atzorn. Sie erreichte Einschaltquoten bis zu 45 Prozent und zählte 1988 mit »Kir Royal« und »Liebling Kreuzberg« zu den beliebtesten Sendungen der ARD.

Mit Atzorn entwickelte Huby die »Tatort«-Kommissarfigur Jan Casstorff, an deren letztlich im NDR-Krimi gezeigter Form der Autor wenig Freude hatte – sein Drehbuch sei zu stark verändert worden, klagte er. Im Januar 1988 hatte der von Jochen Senf gespielte saarländische Gemütsmensch Max Palu als »Tatort«-Kommissar Premiere, auch er erdacht von Huby. Beim wohl berühmtesten Ermittler der Achtzigerjahre, Horst Schimanski, war Huby als Autor von mehreren Folgen und einer Hintergrundgeschichte als Roman beteiligt.

»Faul war der nie«

Auch beim Privatfernsehen reüssierte Huby: Nach seiner Idee entstand bei Sat.1 die Serie »Ein Bayer auf Rügen« mit Wolfgang Fierek in der Hauptrolle. Und die RTL-Soap »Gute Zeiten, schlechte Zeiten« begann ihre Erfolgsgeschichte erst, nachdem Huby den Sender davon überzeugt hatte, nicht bloß australische Vorbilder zu übersetzen, sondern eigene, heimische Geschichten zu nehmen.

Huby schrieb ein Musical, Filme, Theaterstücke. Er veröffentlichte autobiografische Bücher und erfand einen weiteren Kriminalromanhelden, Peter Heiland. »Faul war der nie«, attestierte der Theatermacher Uwe Zellmer dem 2017 mit dem Sebastian-Blau-Ehrenpreis zu Böblingen ausgezeichneten Vielschreiber in typisch schwäbischem Understatement.

Huby war Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Robert-Geisendörfer-Preis, dem Berliner Krimipreis und dem Ehren-Glauser. Im April 2007 erhielt er in Wien die »Goldene Romy« für das beste Drehbuch des Jahres 2006, ausgezeichnet wurde »Tatort: Bienzle und der Tote im Weinberg«. 2016 wurde ihm der Ehrenpreis der baden-württembergischen Filmschau verliehen.

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