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Femi Fadugba Durchgestartet

aus DER SPIEGEL 43/2021
Femi Fadugba

Femi Fadugba

Foto: Ernest Simons

Den Verlag für ein literarisches Debüt zu finden und sogar vom Schreiben zu leben kann eine zähe Angelegenheit sein. Allein in Deutschland kommen etwa 70.000 Bücher auf den Markt – pro Jahr. Die Dunkelziffer an Manuskripten, die es bis dahin erst gar nicht geschafft haben, dürfte weit höher liegen. Der Quantenphysiker Femi Fadugba, 34, musste bei seinem literarischen Start wohl nicht zittern. Für den Debütroman des britisch-nigerianischen Autors boten 15 Verlage bei einer Buchrechte-Auktion. Random House bekam schließlich den Zuschlag für den Zeitreisethriller. »The Upper World. Ein Hauch Zukunft« erschien vor Kurzem auf Deutsch. Ein weiterer Band soll folgen. Zu der Debatte im Literaturbetrieb, ob nur schwarze Menschen auch schwarze Autoren übersetzen sollten, hat Fadugba eine klare Meinung: Eine Übersetzung müsse nicht prinzipiell von einem Menschen der gleichen Ethnie stammen, findet er, sondern von jemandem, der sich in die Erfahrungswelt einer schwarzen Person einfühlen könne. Sein eigener Roman wurde von einer weißen Übersetzerin ins Deutsche übertragen.

»Die meisten Menschen können das machen, solange sie ein Bewusstsein für die Problematik haben«, sagt er dem SPIEGEL. »Ich zum Beispiel bin eine schwarze Person aus Großbritannien. Eine schwarze Person aus Deutschland hat vielleicht andere Erfahrungen und damit auch andere blinde Flecken.« Über seine eigenen sei er sich bewusst: »Mir war es wichtig, dass die Frauenfiguren in meinem Buch eine glaubwürdige Stimme haben. Darum habe ich es einigen Frauen zur Prüfung gegeben.«

Fadugbas Buch spielt in London und handelt von Liebe, Gewalt und der Relativitätstheorie, die es in der Geschichte ermöglicht, durch die Zeit zu reisen. Auch die Filmrechte waren übrigens gefragt: Fadugba konnte sich zwischen mehreren Angeboten entscheiden – und wählte schließlich Netflix.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels ist uns eine Namensverwechslung unterlaufen. Es geht hier um den Autor Femi Fadugba, nicht um den Schauspieler Billy Porter.

aso
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