Bestsellerautor Florian Illies wird Rowohlt-Verleger

Der Autor von "Generation Golf" und Herausgeber der "Zeit" übernimmt zum neuen Jahr die verlegerische Geschäftsführung des traditionsreichen Buchverlags.

Überraschung in Reinbek. Der Rowohlt Verlag bekommt zum neuen Jahr einen neuen Verleger: Florian Illies, der Mann, der vor achtzehn Jahren die "Generation Golf" erfand und beschrieb. Jene um 1970 Geborenen, die sich leichtfüßig Jahr für Jahr immer wieder neu erfinden. Illies selbst erfüllt die Thesen seines programmatischen Buches weiterhin selbst am besten.

Der Mann, der als einer der jüngsten Feuilletonredakteure der FAZ einst die "Berliner Seiten" erfand und leitete und danach in erstaunlicher Taktfolge Job auf Job übernahm und zuletzt jahrelang als Geschäftsführer des Kunstauktionshauses Grisebach in Berlin arbeitete, wird also Verleger. In Reinbek, wo die Mitarbeiter zur Stunde über die Personalie unterrichtet werden, löst das doch einige Überraschung aus.

Die bisherige verlegerische Geschäftsführerin Barbara Laugwitz wird das Haus zum Ende des Jahres verlassen. Die Umsatz- und Gewinnzahlen des zum Holtzbrinck-Konzern gehörenden Verlagshauses sind nicht schlecht. Doch fehlte dem Haus in den letzten Jahren ein klares verlegerisches Profil. Auch war man an der Konzernspitze womöglich unzufrieden mit der geringen öffentlichen Präsenz, der geringen Strahlkraft von Laugwitz.

Der Verlag von Daniel Kehlmann und Eckhart von Hirschhausen

Das dürfte sich unter Illies ändern. Er ist als Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung " Die Zeit" schon mit dem Holtzbrinck-Konzern verbunden. Auch seine Bücher, zuletzt das enorm erfolgreiche Sachbuch "1913", erscheinen beim dem zum Holtzbrinck gehörenden Verlag S. Fischer.

Holtzbrinck schickt der Geschassten, neben dem pflichtschuldigen Dank, einen etwas trockenen Gruß hinterher: "Unterschiedliche Vorstellungen über den weiteren Weg haben uns am Ende zu dem Schritt einer Veränderung in der verlegerischen Leitung bewogen."

Rowohlt ist der Verlag von Daniel Kehlmann und Martin Walser, von Eckhart von Hirschhausen und Jojo Moyes. Illies ist ein begeisterungsfähiger und begeisternder Journalist und Leser und Autor. Viele hatten es bedauert, dass der Mann, der auch das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" leitete, die Kunstzeitschrift "Monopol" gründete und eine Weile lang Feuilletonchef der "Zeit" war, die letzten Jahre aus der Welt des geschriebenen Wortes weitgehend verschwunden war.

"Das Buch als Gegengift zum Handy"

Für den Rowohlt-Verlag, der zu Beginn des neuen Jahres von Reinbek nach Hamburg zieht, wird das sicher zu einer Aufbruchstimmung führen. Illies, der an diesem Morgen, wie er sagt, "zum Abschluss der Transferperiode zum Medizincheck" nach Reinbek gereist ist und jetzt mit den Mitarbeitern spricht, sieht die Zukunft der Buchbranche, die stets eher zur Depression neigt, optimistisch.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagt er: "Solange jeder Blogger davon träumt, dass seine Gedanken als Buch erscheinen, solange das Buch also als Sehnsuchtsort auch in der digitalen Welt eine solche Kraft behält, muss man vor der Zukunft keine Angst haben. Man muss das Buch nicht schützen, es ist vital und geheimnisvoll und unzerstörbar. Aber es muss seinen Platz behaupten, muss es schaffen, attraktiver zu sein als der Blick zum Handy, ein Gegengift quasi. Ich will bei Rowohlt die Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen."

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