"Nach reiflicher Überlegung" Florian Illies verlässt den Rowohlt Verlag

Erst vor einem Jahr hatte der Bestsellerautor die verlegerische Geschäftsführung des traditionsreichen Buchverlags übernommen. Doch nun wird Florian Illies den Job schon bald wieder aufgeben.
Kurzzeit-Verleger Florian Illies

Kurzzeit-Verleger Florian Illies

Foto: Henning Kaiser/ picture alliance/dpa

Die Startbedingungen waren für ihn 2019 nicht einfach: Der Rowohlt Verlag verlegte seinen Sitz von Reinbek vor den Toren Hamburgs in die Innenstadt, und dann gab es gegen den Wechsel an der Spitze des Verlags Protest - aus den eigenen Reihen. Nun wird Florian Illies seinen Job als Verleger wieder aufgeben. Der Termin seines Weggangs wie auch die Frage der Nachfolgeregelung werden zu gegebener Zeit bekannt gegeben, heißt es vom Verlag.

Illies hatte Anfang 2019 die verlegerische Geschäftsführung des Buchverlags übernommen . Zuvor war die Verlegerin Barbara Laugwitz , die seit 2014 im Amt war, entlassen worden. Joerg Pfuhl, Chef der Holtzbrinck Buchverlage, zu denen auch Rowohlt gehört, hatte für Laugwitz damals nur dürre Worte übrig: Sie habe "in einem schwierigen Markt immer wieder große Erfolge bei Rowohlt verwirklicht. Ich bin für ihr unermüdliches Engagement sehr dankbar".

In einem offenen Brief brachten daraufhin Autorinnen und Autoren des Rowohlt Verlags ihre Verwunderung und ihr Entsetzen über die Entlassung von Laugwitz zum Ausdruck, unter anderem Katharina AdlerLucy FrickeInger-Maria MahlkeThomas MelleEugen RugeNis-Momme StockmannMargarete Stokowski und Heinz Strunk.

Florian Illies äußerte sich "tief beeindruckt von der großen Kompetenz und der Liebe der Rowohltianer zu ihrem Verlag, nachhaltig erfüllt von all den Begegnungen mit seinen Autorinnen und Autoren". Er verlasse Rowohlt aus persönlichen Gründen und mit einem weinenden Auge: "Ich weiß, es war eine nur kurze Zeit an der Spitze dieses großartigen Hauses. Aber nach reiflicher Überlegung habe ich mich dafür entschieden, einen anderen Weg zu gehen und mich dem Schreiben zu widmen."

Illies leitete das Feuilleton der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", gründete die Kunstzeitschrift "Monopol" und arbeitete als Geschäftsführer des Kunstauktionshauses Grisebach. Außerdem arbeitete er als Herausgeber der Wochenzeitung "Die Zeit", die ebenfalls zur Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört. Auch seine Bücher, zuletzt das enorm erfolgreiche Sachbuch "1913", erscheinen bei dem zum Holtzbrinck gehörenden Verlag S. Fischer.

Stefan von Holtzbrinck bedauerte die Entscheidung von Florian Illies sehr. Er dankte ihm "für seine wertvolle Arbeit an der Spitze des Rowohlt Verlags, für den 2019 ein außerordentlich starkes Jahr gewesen ist".

Vor seinem Antritt bei Rowohlt sagte Illies dem SPIEGEL: "Solange jeder Blogger davon träumt, dass seine Gedanken als Buch erscheinen, muss man vor der Zukunft keine Angst haben. Man muss das Buch nicht schützen, es ist vital und geheimnisvoll und unzerstörbar. Aber es muss seinen Platz behaupten, muss es schaffen, attraktiver zu sein als der Blick zum Handy, als Gegengift quasi. Ich will bei Rowohlt die Bücher verlegen, von denen die Menschen träumen."

evh
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