Hits des Literaturherbstes Die 20 wichtigsten neuen Bücher

Welche neuen Bücher sollte ich lesen? Von welchen sollte ich lieber lassen? Wir stellen zur Frankfurter Buchmesse die Hits des Literaturherbstes vor - die sich zum Beispiel das Ende der DDR und das Ende der Arbeiterklasse vornehmen.
Verena Güntner: Autorin des Herbst-Hits "Es bringen"

Verena Güntner: Autorin des Herbst-Hits "Es bringen"

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Stefan Klüter

In der "Sportschau" war kürzlich der HSV-Stürmer Pierre-Michel Lasogga zu sehen, wie er in hohem Tempo auf das Tor von Borussia Dortmund zulief. Gefolgt von einem großen schraffierten Quadrat. Wer sich nun fragt, was das mit Literatur zu tun hat oder ob Menschen, die von großen schraffierten Quadraten verfolgt werden, nicht dringend einen Facharzt aufsuchen sollten, bekommt folgende Antwort: Die Redaktion der "Sportschau" hat mit diesem Quadrat eine Lieblingsfloskel des Sportjournalismus anschaulich gemacht. Die "offenen Räume".

So mancher Sportjournalist würde wohl in die Literaturkritik wechseln, wüsste er, dass es dort noch viel mehr offene Räume zu beschreiben gibt. Würde man Lutz Seilers Roman "Kruso", für den der Schriftsteller soeben völlig zu Recht mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, mit den Mitteln des schraffierten Quadrats darstellen, ergäbe sich ein offener Raum, dessen Fläche der unzähliger Fußballfelder entspräche: Es ist die Insel Hiddensee, Handlungsort des Buchs, das vom Sommer 1989 und vom Niedergang der DDR erzählt. Dies aber auf eine derart eigenständige Weise, dass die historischen Daten zweitrangig werden.

"Kruso" ist nur ein Beispiel für einen Roman, der die engen Grenzen der nüchternen Tatsachenschilderung überwindet und mit seiner Sprache Figuren und Atmosphäre schafft. Am Beispiel Peter Handkes wurde während des Jugoslawienkriegs erbittert darüber gestritten, wie ein Schriftsteller sich in einem Konflikt zu verhalten habe. Aus Anlass der Verleihung des Ibsen-Preises, den Handke kürzlich in Norwegen erhielt, ist dieser Streit wieder aufgeflackert. Er zeigt: Es gibt eine journalistische Sprache und eine literarische - mitunter, so im Fall Handkes, sind diese beiden Schreibarten einander kaum vermittelbar.

Es wäre falsch, zu glauben, dass der literarische Zugang, der oft auch ein emotional-ästhetischer ist, die Tatsachen verfälscht. Schriftstellerinnen und Schriftsteller beschreiben die Welt anders.

Zu den Autoren, die im Fall Handkes zwischen den Lagern zu vermitteln versuchten, gehört der Norweger Karl Ove Knausgård. Seine autobiografische Romanserie, von der in Deutschland kürzlich der Band "Leben" erschien, hat einen ganz anderen Ton als Seilers "Kruso". Zu den wichtigsten Büchern des zweiten Halbjahrs 2014 gehört das Buch aber ebenso wie "Das achte Leben", der große, Generationen überspannende Roman von Nino Haratischwili, und die anderen Titel, die wir Ihnen hier vorstellen.

Viele sind gelungen, manche misslungen, interessant sind sie alle.

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