Frankfurter Buchmesse "Du hast keine Chance, aber nutze sie"

10.000 Bücher, 200 Verlage, 50 Neuübersetzungen und zahlreiche Autoren: Die Arabische Liga ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse und will sich im Oktober mit einem opulenten Programm darstellen. Ziel der kulturellen Großpräsentation soll vor allem der Abbau von Vorurteilen sein.

Frankfurt/Main - Eine Brücke zu bauen zwischen der westlichen und der östlichen Welt - das ist das Anliegen des diesjährigen Gastes der Frankfurter Buchmesse: Die arabische Welt präsentiert sich im Oktober auf der internationalen Bücherschau mit rund 200 Verlagen. Etwa 50 Autoren werden ihre Werke persönlich vorstellen. Wie die Veranstalter am Freitag in Frankfurt am Main mitteilten, soll damit eine "Wertegemeinschaft" zwischen dem Westen und der arabischen Welt erneuert werden. Die derzeitige Situation in der Welt zeige, wie notwendig es sei, "jede Gelegenheit" für einen Dialog zu nutzen, sagte Buchmesse-Direktor Volker Neumann in Frankfurt.

Anlässlich der Buchmesse seien für dieses Jahr 50 Neuübersetzungen belletristischer Werke arabischer Autoren ins Deutsche angekündigt. Der gemeinsame Auftritt der Mehrzahl der arabischen Länder auf einer internationalen, kulturellen Plattform sei außerdem eine Weltpremiere.

Der Generaldirektor der arabischen Organisation für Bildung, Kultur und Wissenschaft (Alesco), Mongi Bousneina, sagte in Frankfurt, für einen "offenen Dialog" gelte es, bestehende Hindernisse zu überwinden. Konfrontation und Schuldzuweisungen bestimmten noch zu häufig die Auseinandersetzung zwischen dem Westen und der arabischen Welt.

Die von der Alesco vertretenen Verleger und Autoren würden auf der Buchmesse die Gelegenheit nutzen, gegen "intellektuelle Tyrannei" und "intellektuellen Terrorismus gleich welcher Form" aufzutreten, kündigte Bousneina an. Die arabische Welt solle in ihrer ganzen Vielfalt dargestellt werden. Alesco ist eine Unterorganisation der Arabischen Liga. Zu den 22 Mitliedern zählen unter anderem Ägypten, Algerien, Palästina, Syrien und der Irak.

Der Direktor des arabischen Programms der Buchmesse, Mohamed Ghoneim, sagte, mehr als 200 arabische Autoren, Lyriker und Übersetzer hätten ihre Anreise nach Frankfurt zugesagt. Auf Ausstellungen würden nicht nur "Meisterwerke" arabischer Kalligrafie, sondern auch christliche Ikonen unter anderem aus Palästina zu sehen sein. Das Frankfurter Filmmuseum plane eine Retrospektive des arabischen Kinos. Außerdem solle das Publikum mit zwei Tanztheater-Produktionen aus Kairo und Beirut überrascht werden. "Du hast keine Chance, aber nutze sie", beschrieb Ghoneim mit einem Achternbusch-Zitat das Motto der arabischen Programmgestalter.

Die Frankfurter Kulturszene kündigte schon vor Monaten an, das Thema der Buchmesse mit zahlreichen Ausstellungen und Veranstaltungen zu begleiten. Beteiligen wollen sich unter anderem das Museum für Angewandte Kunst, das Museum für Kommunikation und das Architekturmuseum.

"Es ist ein Programm, das die arabische Welt in dieser Form niemals zuvor geboten hat", sagte Buchmesse-Direktor Neumann. Bei der offiziellen Programmvorstellung am Freitag waren auch die algerische Schriftstellerin Assia Djebar und der ägyptische Autor Edwar al-Kharrat stünden für den Osten und den Westen der arabischen Welt, sagte Bousneina. Die zwei zählen auch zu den in der Bundesrepublik bekanntesten arabischen Schriftstellern, die zur Buchmesse kommen werden. Erwartet werden außerdem unter anderem der Marokkaner Taher ben Jelloun ("Papa, was ist ein Fremder"), der in Deutschland lebende Syrer Rafik Schami und Ex-UN-Generalsekretär Butros Butros Ghali.

Die Präsentation auf der Buchmesse umfasse etwa 10.000 Titel, sagte der Präsident des Arabischen Verlegerverbandes, Ibrahim el Moallem. Es gehe darum, arabische Autoren in Deutschland bekannt zu machen. Daneben sollten auch Symposien zu Themen wie Verlegerfreiheit oder Übersetzungstätigkeit veranstaltet werden: Der Verlegerverband sei in seinem Engagement gegen Zensur in der arabischen Welt schon recht weit gekommen, aber der Kampf gehe weiter.

Neumann erinnerte daran, dass es im Westen zahlreiche Vorurteile über die arabische Welt gebe. Umso wichtiger sei das gegenseitige Kennenlernen. "Neugierde, Offenheit und Entdeckergeist sind wichtige Antriebe für den Dialog zwischen den Kulturen", erklärte er und wies darauf hin, dass es zwischen den beiden Kulturen unterschiedliche Meinungen über eine Vielzahl von Aspekten gebe.

Die Frankfurter Buchmesse findet in diesem Jahr vom 6. bis zum 10. Oktober statt. Im vergangenen Jahr war Russland Ehrengast der Messe, im kommenden Jahr wird es Korea sein.