Nach jahrelangem Rechtsstreit Israel zeigt unveröffentlichte Kafka-Schriften

Mehr als zehn Jahre wurde um zum Teil gestohlene Dokumente von Franz Kafka gestritten. Nun stellt die Nationalbibliothek in Jerusalem Manuskripte, Briefe und Zeichnungen des Schriftstellers aus.

Max Brod / National Library Israel / DPA

Die Nationalbibliothek von Israel hat bisher unveröffentlichte Dokumente des jüdisch-tschechischen Schriftstellers Franz Kafka (1883-1924) präsentiert. Damit endet ein über zehn Jahre andauernder Rechtsstreit in Israel und Deutschland über den Nachlass des deutschsprachigen Autors.

Die umkämpften Briefe, Manuskripte und Zeichnungen hatten sich zuletzt in Banksafes in Zürich befunden. Sie sind Teil des Nachlasses von Max Brod. Kafka hatte zu Lebzeiten verfügt, sein Freund Brod solle alle Schriften nach seinem Tod verbrennen.

Brod veröffentlichte jedoch zahlreiche Werke Kafkas, die den Weltruhm des Schriftstellers aus Prag mehrten. Mit Brods Tod im Jahr 1968 begann laut der Sprecherin der Israelischen Nationalbibliothek die "kafkaeske Geschichte" um sein Privatarchiv, das teilweise gestohlen und in Deutschland zum Verkauf angeboten wurde.

Streit um Koffer mit Nachlass

Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten 1939 aus Prag nahm Brod in einem Koffer die Werke seines Freundes mit ins damalige Palästina. Nach Brods Tod 1968 ging der Nachlass an seine ehemalige Sekretärin Esther Hoffe. Sie verkaufte einen Teil der Texte, darunter das Roman-Manuskript "Der Prozess", für etwa zwei Millionen Dollar. Es wird im Literaturarchiv in Marbach aufbewahrt.

Einen anderen Teil bewahrte sie in Safes in Tel Aviv und der Schweiz auf. Nach ihrem Tod 2007 vererbte sie den Kulturschatz an ihre Töchter, die inzwischen beide gestorben sind.

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Kafkas Kladden: Kunst und Schrift im Kleinformat

2016 entschied bereits Israels Oberstes Gericht, dass der gesamte Brod-Nachlass der Nationalbibliothek gehöre. Jüngst hatte nun auch ein Gericht in der Schweiz festgelegt, dass die Teile des Nachlasses, die sich in Banksafes in Zürich befanden, ebenfalls an Israel übergeben werden müssen.

Im Mai hatte Deutschland zudem rund 5000 Seiten aus dem schriftlichen Nachlass von Brod der israelischen Nationalbibliothek übergeben. Die Dokumente waren in Tel Aviv gestohlen und unter dem Verdacht, Hehlerware zu sein, 2013 in Deutschland beschlagnahmt worden. Zu den Dokumenten gehört auch eine Postkarte von Kafka an Brod.

Die Papiere waren vermutlich aus der Wohnung Esther Hoffes in Tel Aviv gestohlen und unter anderem dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach zum Kauf angeboten worden. Ein Gericht sprach sie dem Brod-Nachlass zu, der in der israelischen Nationalbibliothek in Jerusalem aufbewahrt wird.

Tausende Seiten mit Kafkas Schrift und Zeichnungen

"Wir haben jetzt also somit den letzten Teil des Nachlasses von Max Brod bekommen und vielleicht den wertvollsten Teil", sagte der zuständige Archivar der israelischen Nationalbibliothek, Stefan Litt. Vor rund zwei Wochen seien die 60 Mappen mit Originaldokumenten nach Jerusalem gekommen. Insgesamt handele es sich um Tausende Seiten. Darunter habe sich ein Übungsheft für Hebräisch von Kafka befunden, ein Heft mit Skizzen von Kafka, Dutzende Briefe von Kafka an Brod sowie drei Versionen der Kafka-Erzählung "Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande".

Zu den Zeichnungen sagte er: "Hingeworfene Kritzeleien könnte man es vielleicht auch nennen, aber dennoch von Kafka, die völlig unbekannt sind." Litt erhofft sich von den Skizzen neue Erkenntnisse über Kafkas Persönlichkeit. "Manchmal kann man einen Menschen in Bildern mehr entdecken als in geschriebenen Texten", sagte er. Alle Kafka-Dokumente, die nun aus der Schweiz kamen, sollen laut Litt spätestens Ende des Jahres im Internet zu sehen sein.

kko/dpa/AFP



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