Französischer Literaturpreis Prix Goncourt für Berliner Autorin

Die Wahl-Berlinerin Marie NDiaye hat als erste schwarze Autorin den Prix Goncourt erhalten. Obwohl der französische Literaturpreis nur mit symbolischen zehn Euro dotiert ist, zählt er zu den begehrtesten literarischen Auszeichnungen.

Mit zehn Euro und viel Prestige ausgezeichnet: Erfolgsschriftstellerin NDiaye
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Mit zehn Euro und viel Prestige ausgezeichnet: Erfolgsschriftstellerin NDiaye


Paris - Der wichtigste französische Literaturpreis, der Prix Goncourt, geht in diesem Jahr an Marie NDiaye für ihren Roman "Trois femmes puissantes" (etwa: Drei starke Frauen). Die 42-jährige Autorin wurde im ersten Wahlgang gewählt, wie die Jury am Montag mitteilte. Der preisgekrönte Roman beschreibt die Lebensgeschichte dreier Frauen im Spannungsfeld zwischen Afrika und Frankreich, deren Schicksale von Familiengeheimnissen, Demütigungen und Verrat geprägt sind.

International hat sich Marie NDiaye vor allem mit dem französischen Bestseller "Rosie Carpe" einen Namen gemacht, der bis heute in rund 15 Sprachen übersetzt wurde. Die Französin gilt als Wunderkind der französischen Gegenwartsliteratur, denn mit 42 Jahren hat sie bereits mehr als 20 Romane und Novellen veröffentlicht, den ersten ("Quant au riche avenir") bereits mit jungen 18 Jahren.

Mit NDiaye wurde erstmals seit 1998 wieder eine Frau mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet - eine schwarze obendrein. Dass sie als erste farbige Autorin den Preis bekam, spielt für NDiaye nach eigener Aussage keine Rolle: "Ich habe niemals in diesen Kategorien gedacht", sagt sie und dass sie sich nicht als Stellvertreterin einer bestimmten Gruppe sehe.

NDiayes Werke handeln, so wie ihr jüngster Roman, von Frauen und ihren Familien in den unterschiedlichsten, oft schwierigen Lebenssituationen. Dabei beschäftigt sie sich seit einiger Zeit vor allem mit den schwierigen Beziehungen zwischen Afrika und den ehemaligen Kolonialmächten, zwischen Schwarzen und Weißen. Ihr Stil ist nüchtern und präzise und erinnert an den des nouveau roman. NDiaye lebt mit ihrer Familie in Berlin - Frankreich verließ sie nach eigenen Worten, weil sie das Land nach der Wahl von Staatschef Nicolas Sarkozy als "monströs" emfpand.

Symbolik und viel Prestige

Der Prix Goncourt ist mit symbolischen zehn Euro dotiert, zählt aber zu den begehrtesten Literaturpreisen Frankreichs, weil er die Auflage des preisgekrönten Werkes in der Regel stark erhöht.

Frühere Preisträger in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Prix Goncourt waren etwa die feministische Autorin Simone de Beauvoir (1954) und zuletzt der aus Afghanistan stammende Schriftsteller Atiq Rahimi (2008) sowie Jonathan Littell für seinen umstrittenen Roman "Die Wohlgesinnten".

Der zeitgleich vergebene Renaudot-Preis ging an den französischen Schriftsteller Frédéric Beigbeder für seinen Roman "Un roman français", der im Vorfeld als einer seiner besten gelobt wurde. Darin beschreibt das enfant terrible der französischen Literatur, wie er mitten in Paris wegen Drogenkonsums festgenommen wird und 48 Stunden in Untersuchungshaft sitzt. Bei der Preisverleihung schickte Beigbeder "einen kleinen Gruß an den Staatsanwalt. Wenn ich nicht in Polizeigewahrsam gekommen wäre, hätte ich diesen Roman nicht geschrieben."

Bekannt geworden war Beigbeder einem größeren Publikum durch sein inzwischen verfilmtes Buch "39,90", das ebenfalls biografische Züge trägt.

can/dpa/AFP



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