Fred Vargas' "Das barmherzige Fallbeil" Island sehen und sterben

Strohkartoffeln, eine Geheimgesellschaft und ein Schwein mit zarter Schnauze: Auch der neue Roman von Fred Vargas ist ein Meisterstück der Unvorhersehbarkeit.

Krimi-Autorin Fred Vargas: Sie beherrscht die Unvorhersehbarkeit
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Krimi-Autorin Fred Vargas: Sie beherrscht die Unvorhersehbarkeit


Die Legende geht so: Im Norden von Island, ganz oben im Norden, dort wo der Polarkreis verläuft und so auffallend viele Menschen hundert Jahre alt werden und älter, gibt es eine Insel, die unbewohnt ist, bis auf einen Troll. Der Troll bewacht einen Stein. Dieser Stein ist groß wie eine Stele und immer warm. Durch ihn soll die Energie aus dem Erdinneren fließen. Wer sich auf den Stein legt, so heißt es, wird unverletzbar. Von Grímsey aus kann man die Insel ohne Weiteres über das Packeis zu Fuß erreichen. Ein kleiner Spaziergang nur. So ist das jedenfalls bei gutem Wetter.

Denn wenn das Wetter schlecht wird, wird die Insel zur Falle. Dann kann beispielsweise in Minuten so viel Nebel aufziehen, dass der Weg zurück über das Eis nicht mehr zu finden ist. Dann kann zum Beispiel eine Gruppe französischer Touristen für mehrere Tage auf der Insel feststecken, ohne Schutz vor der Kälte oder Nahrung oder Kontakt zur Außenwelt.

Dann kann es zum Beispiel passieren, dass einer in der Gruppe durchdreht und zwei Morde begeht. Und wenn sich der Nebel lichtet, ist aus der Gruppe Touristen eine Gruppe von Mitwissern geworden, die versprochen haben, über die Islandreise zu schweigen, aus Angst um ihr eigenes Leben.

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Die Geschichte der französischen Touristen erzählt die berühmte französische Schriftstellerin Fred Vargas in ihrem neuen Kriminalroman "Das barmherzige Fallbeil" um Kommissar Adamsberg. Der spielt allerdings Jahre nach der Reise, als kurz nacheinander zwei weitere Mitglieder der Gruppe sterben. Eine kranke Mathematiklehrerin und ein kunstsammelnder Schlossherr. Zunächst geht die Polizei von zwei zusammenhangslosen Selbstmorden aus.

Doch dann wird an beiden Tatorten das gleiche rätselhafte Symbol entdeckt - die Guillotine als Zeichen der französischen Revolution. Ebenfalls spielen eine Rolle: Strohkartoffeln, eine Geheimgesellschaft und ein Schwein mit zarter Schnauze, denn Fred Vargas beweist mit diesem Buch, dass sie zu den Schriftstellern gehört, die Unvorhersehbarkeit beherrschen. So dass man sich als Leser zeitweise fühlt, als würde man im Nebel stehen.

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