Rechtsstreit um Comicheld Aus Gastons Comeback wird vorerst nichts

Auf einem Festival war überraschend ein neuer Band mit Gaston Lagaffe angekündigt worden. Doch die Tochter des verstorbenen Schöpfers, Franquin, klagte. Nun hat der Verlag die Rückkehr erst mal ausgesetzt.
Gaston-Bild in einer Brüsseler Ausstellung: Wollte Franquin eine Zukunft für seinen faulen Helden?

Gaston-Bild in einer Brüsseler Ausstellung: Wollte Franquin eine Zukunft für seinen faulen Helden?

Foto: JACQUES COLLET / AFP

Er gehört neben Spirou, Tim & Struppi, Asterix oder Lucky Luke zu den Klassikern des frankobelgischen Comics: Gaston Lagaffe, also etwa Gaston der Ausrutscher, Büro-Faktotum in einem Verlag, löst das allerschönste Chaos aus. 40 Jahre lang, von 1957 bis zu seinem Tod 1997, zeichnete und betextete André Franquin seine Lieblingsfigur.

In diesem März, 25 Jahre nach dem Tod Franquins, kündigte der Leiter des Comicverlags Dupuis, Stéphane Beaujean, bei einer Pressekonferenz auf dem Internationalen Comicfestival in Angoulême die Rückkehr von Gaston an. Der Comicverlag, der dieses Jahr sein 100. Jubiläum feiert, hatte die Neuauflage von »Gaston Lagaffe« dem Frankokanadier Delaf anvertraut, der mit bürgerlichem Namen Marc Delafontaine heißt. »Le Retour de Lagaffe«, ein klassisches Comicalbum mit 48 Seiten, der 22. Band der Serie, war für den 19. Oktober angekündigt worden, mit einer Startauflage von 1,2 Millionen Exemplaren.

Doch bei der Familie Franquins löste die Ankündigung von Dupuis Irritation hervor. Schließlich hatte der Zeichner und Autor verfügt, dass Gaston nach seinem Tod nicht weiterleben sollte. Schon als 2018 eine Filmversion in die französischen Kinos kam, hatte sich Franquins Tochter Isabelle missmutig in der Zeitung »L’Avenir« geäußert: »Ich sehe dem Desaster hilflos zu.«

Wie die belgische Zeitung »Le Soir« berichtete , wandte sich Isabelle Franquin nach der Nachricht aus Angoulême an ein Gericht in Brüssel. Ihrer Ansicht nach würde jeder neue Band aus anderer Feder ein Plagiat darstellen. Sie appellierte an das Gericht, jegliche Werbung für den neuen Gaston-Comic auszusetzen.

Dupuis-Chef Beaujean hatte bei der Pressekonferenz noch eingeräumt, dass sich Isabelle Franquin »mündlich dagegen ausgesprochen« habe, die Gaston-Reihe wiederaufzunehmen. Doch er beharrte darauf, dass die Klauseln seines Rechtevertrags klar ergäben, »dass eine Übernahme möglich ist«.

Jetzt rudert der Verlag allerdings doch zurück. Wie das Branchenblatt »Livres Hebdo« berichtet , habe Dupuis sich dazu entschlossen, das Erscheinen des 22. Gaston-Bandes vorerst auszusetzen. »Wir haben uns spontan so entschieden, um eine ruhige und objektive Debatte zu ermöglichen«, hieß es demnach in einer Verlagsmitteilung. Man wolle die Beziehungen mit Isabelle Franquin nicht belasten und warte nun die Gerichtsentscheidung ab, die für September 2022 erwartet werde. Dupuis hofft, eine Lösung zu finden, die es erlaube, »das Werk Franquins am Leben zu erhalten, damit das Erbe dieses Comicgenies dauerhaft gesichert wird«.

Franquin, der auch für die Serien »Spirou« und andere Comics von Dupuis zeichnete, schuf mit Gaston sein Alter Ego – einen anarchischen Nichtsnutz mit großem Tierschutz- und Umweltbewusstsein, der für die Büroarbeit partout nicht taugen wollte, seiner Kreativität auf den Fluren der Redaktion aber auf andere Weise freien Lauf ließ. Laut Dupuis war die Wahl auf Delaf gefallen, weil der Zeichner aus Quebec 2017 für eine Franquin-Hommage eine Gaston-Zeichnung angefertigt hatte, die dem Original verblüffend nah gekommen sei.

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