Literatur Emine Sevgi Özdamar erhält Georg-Büchner-Preis

Sie war die erste Nichtmuttersprachlerin, die mit dem Bachmannpreis gekürt wurde. Nun erhält Emine Sevgi Özdamar den Georg-Büchner-Preis für den »poetischen Dialog zwischen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen«.
Emine Sevgi Özdamar: »hochpoetischer Sound«

Emine Sevgi Özdamar: »hochpoetischer Sound«

Foto: Heike Steiweg / Heike Steinweg / Suhrkamp

Die Schriftstellerin, Schauspielerin und Theaterregisseurin Emine Sevgi Özdamar bekommt den Georg-Büchner-Preis 2022. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung  am Dienstag mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Er wird am 5. November in Darmstadt verliehen.

»Mit Emine Sevgi Özdamar zeichnet die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung eine herausragende Autorin aus, der die deutsche Sprache und Literatur neue Horizonte, Themen und einen hochpoetischen Sound verdankt«, so die Begründung der Jury. Ihr Werk eröffne einen »intellektuellen wie poetischen Dialog zwischen verschiedenen Sprachen, Kulturen und Weltanschauungen, an dem wir lesend teilhaben dürfen«.

Autobiografische Elemente

Özdamar wurde 1946 in Malatye (Türkei) geboren und wuchs in Istanbul auf. Dort nahm sie Schauspielunterricht und erhielt erste Rollen in Stücken von Bertolt Brecht und Peter Weiss. Nach dem Militärputsch in der Türkei zog sie 1975 nach Berlin und arbeitete als Assistentin des Regisseurs Matthias Langhoff an der Volksbühne. Ihren literarischen Durchbruch hatte sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1991, für einen Auszug aus ihrem ersten Roman »Das Leben ist eine Karawanserei – hat zwei Türen – aus einer kam ich rein aus der anderen ging ich raus«. Sie war damit die erste Nichtmuttersprachlerin, die mit dem Preis ausgezeichnet wurde.

Özdamars Romane sind oftmals autobiografisch unterlegt, so auch ihre späteren Texte »Die Brücke vom Goldenen Horn« und »Seltsame Sterne starren zur Erde. Wedding – Pankow 1976/77«. Zuletzt erschien 2021 ihr Roman »Ein von Schatten begrenzter Raum«, mit dem sie unter anderem auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 landete.

Seit 1951 vergibt die Akademie den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen »durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten« und »an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben«, heißt es in der Satzung. Der Preis wird vom Bund, dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt finanziert.

Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) und Heinrich Böll (1967) sowie zuletzt seit 2015 Rainald Goetz, Marcel Beyer, Jan Wagner, Terézia Mora, Lukas Bärfuss und Erb. Die Lyrikerin war die elfte Frau, die die Auszeichnung erhielt.

Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner (»Woyzeck«). Er wurde 1813 im Großherzogtum Hessen geboren und starb 1837 in Zürich.

ime/dpa
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